Bericht von Carmen B.

Hi,
Inzwischen sind ja schon 8 Wochen vergangen seit ich in den USA angekommen bin und es wird echt hoechste Zeit, euch mal n bisschen was von dem zu erzaehlen, was ich hier erlebe. Ich fang am besten ganz vorne an…
Also, der Flug in die USA war richtig, richtig gut. Das wichtigste ist natuerlich, dass ich sicher angekommen bin. Aber auch allgemein war der Flug ein spannendes Abenteuer fuer mich, da es ja der erste Flug ganz alleine war. Als ich nach ca 10 stuendigem Flug in Orlando angekommen bin wurde ich von einer Mitspielerin abgeholt, bei der ich die naechsten fuenf Tage wohnen konnte. Das Wetter war so wie ich es mir gewuenscht hatte: Es warm und die Sonne schien J Perfekter Start also.
Gleich am ersten Abend bin ich mit Kait (der Mitspielerin) und zwei anderen vom Team zu meiner Uni gefahren, wo wir n bisschen rumgelaufen sind und mir hat es vom ersten Moment an richtig gut gefallen. Die Atmosphaere auf dem Unigelaende mit den Palmen, wenn es schon dunkel ist, aber immer noch so warm, dass man im Bikini rumlaufen koennte, ist einfach herrlich. In den naechsten Tagen war ich dann zweimal mit den drei einkaufen, um mich fuer s Leben an der Uni n bisschen auszustatten, denn ne Bettdecke, Kissen und Kleiderbuegel konnte ich beim besten Willen nicht im Flugzeug mitbringen. Dabei hab ich meinen neuen besten Freund kennengelernt, den ich in der Zwischenzeit bestimmt schon fuenfzehnmal besucht hab: Walmart – ein Supermarkt, in dem man wirklich alles findet, von Handys ueber Lebensmittel bis hin zu Fahrraedern.
Ansonsten hab ich die ersten Tage genutzt um mich ein bisschen vom Flug zu erholen und hab lang ausgeschlafen, am hauseigenen Pool gechillt oder einfach den Sonnenschein genossen. An einem der ersten Tage war ich dann auch am Strand – mein einziges Mal bis jetzt. Die ersten Tage waren also wirklich wie Urlaub fuer mich.

Am 2. August war es endlich so weit: Ich durfte mein Zimmer in der Uni beziehen und ausserdem hatten wir unser erstes Treffen mit der ganzen Fussballmannschaft. Dank Facebook war es gar nicht so schwer, mir alle Namen von denen zu merken. Die ersten beiden Tage der Vorbereitung bestanden aus lauter Medizintests und Formulare ausfuellen. Am 4.August ging dann die eigentliche Fussballvorbereitung los. Ich hab davor immer schon von meinen Mitspielerinnen gehoert, dass die Vorbereitung brutal sei und im Nachhinein kann ich nur zustimmen. Wir hatten in den ersten drei Tagen drei Fitnesstests und zweimal am Tag Training – und das alles in der Hitze Floridas bie 35 Grad und schwuelem Wetter. Das Wetter ist ganz cool, wenn man am Pool chillen will, aber ziemlich anstrengend, wenn man Ausdauertraining macht. Fuer mich war das zum Glueck aber nicht uebertrieben schlimm, weil ich warmes Wetter mag, ich hab in der ganzen Zeit hier noch keinen Sonnenstich und nur einen ganz leichten Sonnenbrand bekommen.
Eine ziemlich coole Sache in der Vorbereitung war, dass wir in den ersten zwei Wochen vor und nach jedem Training gewogen wurden um zu sehen wie viel Wasser wir verlieren. Ausserdem haben wir nach jedem Training Eisbaeder gehabt, das heisst man musste mit zwei anderen in so einen Kessel mit 14 Grad Celsius kaltem Wasser sitzen. Das  was soo kalt... aber auch ziemlich lustig, ich hab die Zeiten immer mit Singen verbracht und war am Ende traurig, dass man in den 10 Minuten nur drei Songs singen kann…

Ashley, Laura und ich in einem von den Eisbaedern   Leider hab ich nach den ersten drei Tagen auch gleich mal ne Oberschenkelzerrung bekommen. Dadurch war ich erstmal ganze 16 Tage ausser Gefecht. Ich hatte dadurch jeden Tag mind. 2 Stunden Rehatraining und anschliessend musste ich zum Zuschauen noch beim normalen Training zuschauen.. Ehrlich gesagt war die Zeit ziemlich schwer fuer mich, weil ich eigentlich denen allen gerne zeigen wollte wie gut ich kicken kann und des nicht konnte.
Bis zum 25. August hatte die Schule noch nicht begonnen und somit konnten wir theoretisch den ganzen Tag nutzen um entweder zu kicken oder die Freizeit anders zu verbringen. Aber ich konnte ja nicht kicken und des zu erleben war ziemlich frustrierend. In der Zeit bin ich aber stattdessen einmal nach Orlando gegangen, bin sonst mit ein paar von meiner Mannschaft rumgehangen und hab ein paar von den Fastfood Restaurants hier in Amerika kennen gelernt.
   Meine Verletzung war Anfang September auskuriert – gerade rechtzeitig, dass ich eine von den zwanzig Spielerinnen war, die auf ein Vorbereitungsturnier ueber vier Tage nach New York (der Staat New York, nicht New York City) fliegen durften. Das war an sich ein sehr sehr cooles Erlebnis und eine sehr coole Zeit mit meiner Mannschaft, wenn auch nicht besonders erfolgreich. Leider konnte ich wegen anderen Problemen noch immer nicht schmerzfrei Fussball spielen, weshalb ich fast nicht gespielt habe und der Ausflug von demher auch fuer mich ein wenig getruebt war. Aber ich bin in New York gewesen und einfach mal ne andere Landschaft und ein anderes Klima mitzubekommen war die Reise auf jeden Fall wert.

Unsere Torhueterin und ich in New York auf einer Bruecke ueber dem Hudson River   Meine Mannschaft in New York. Auf dem Bild machen alle den Carmen-Move, weil ich hab irgendwie immer, wenn ich irgendwas erklaere oder auch sonst voll oft zwei Finger an meiner Hand ausgestreckt und die anderen angewinkelt. Die finden das ziemlich amuesant und sagen immer, die Carmen, die hat mal wieder ihre „guns“ aussen. Ach ja, ich bin links oben hinten.   Auch am naechsten Wochenende war ein Turnier ueber vier Tage, diesmal in North Carolina. Und auch diesmal bin ich gerade rechtzeitig wieder so fit geworden, dass ich mit konnte. Aber auch diesmal sind ploetzlich wieder Schmerzen aufgetreten, so dass ich nur sehr wenig und nicht mit besonders viel Freude spielen konnte. Von der Manschaft her gesehen war der Ausflug aber so ziemlich das lustigste was ich hier bis jetzt erlebt hab. Was auch cool war an dem Turnier ist, dass wir dort acht Stunden mit dem Bus hingefahren sind. Und der Bus ist ziemlich cool, mit Tischen und Liegen, also ziemlich gemuetlich.

Der Bus mit den Liegen, Fernesehern und Tischen     Allerdings sind wir auch erst am Montagmorgen um 2 Uhr an der Uni wieder angekommen und ich musste am naechsten Tag am 7 Uhr wieder aufstehen, das war ziemlich anstrengend.
Direkt nach dem Turnier, am 13. September war es endlich soweit. An dem Tag war das erste Training seit meiner Verletzung an dem ich wieder schmerzfrei spielen konnte und prompt war ich richtig, richtig gut und was noch wichtiger war alles hat wieder viel mehr Spass gemacht. Davor war es immer so, dass die Dinge, die ich mit der Mannschaft erlebt und gemacht habe an sich sehr cool waren, aber immer getruebt davon, dass ich noch nicht einmal zeigen konnte wie gut ich eigentlich kicken kann und ich jeden Tag erleben musste wie die anderen froehlich spielen und ich am Rand sitze oder sagen muss, ich koennte besser spielen, wenn ich fit waere… Die naechsten drei Trainings waren also wahnsinnig cool und ich hatte endlich mein erstes schmerzfreies Spiel hier in Stetson. Leider bin ich in dem Spiel nach fuenf Minuten ganz ungluecklich umgeknickt, so dass ich seit da schon wieder nichts mehr machen kann. Das war und ist extrem frustrierend, aber ich bin auf dem Weg der Besserung und hab Hoffnung, dass ich in ein oder zwei Wochen wieder schmerzfrei spielen kann.
Das bin ich waehrend meinen fuenf Minuten, die ich gespielt habe J
                                                                                                                       
Das ist der Moment meiner Verletzung. Ich find des ziemlich cool, dass der Fotograf, der bei den Spielen dabei ist, den Moment eingefangen hat. Leider kann ich die Bilder nicht groesser machen, ich muesste die sonst fuer teures Geld kaufen.   Uni und Freizeit
Am 25.8. hat dann also endlich die Uni angefangen. Ich haette nicht gedacht, dass es so viel ist, aber seit da hab ich keine Zeit fuer gar nix mehr. Das liegt zum einen daran, dass wir jeden Tag zig Seiten lesen muessen und Aufsaetze schreiben und zum anderen daran, dass ich nebenher noch Fussballtraining und –spiele und Rehatraining habe. Dadurch, dass ich ausserhalb vom Fussball so wenig Zeit habe, konnte ich noch nichts Groesseres hier unternehmen. In meiner spaerlichen Freizeit treffe ich mich entweder mit Leuten vom Fussball, insbesondere Ashley, mit der ich am meisten unternehme und mit der ich mich von Anfang an richtig richtig gut verstanden habe. Obwohl ich so wenig mache, gibt es fast jeden Tag irgendwelche Dinge, die ich zum ersten Mal mache oder insbesondere esse oder so, das ist dann meistens ziemlich cool. J Zum Beispiel mein erster Slurpee, mein erster Besuch bei McDonalds in den USA,mein erster Besuch bei Chick-Fil-A, bei Quiznos, bei Firehouse, bei Chili’s, bei Applebee’s,... Ashley und ich bei meinem ersten Slurpee (so ein Eisdrink)  Die Uni ist also ziemlich zeitaufwendig, aber nicht unbedingt schwer. Ich hab bis jetzt ein paar kleinere Tests, Aufsaetze und Berichte geschrieben und hab immer 10 von 10 oder 25 von 25 oder einmal sogar 21 von 20 Punkten bekommen. So kann es von mir aus weitergehen. ;)
Besonders leicht ist fuer mich meine Spanish class, weil das Niveau von dem Kurs niedriger ist, als es am Ende in der Schule war. Und ich bin ehrlich gesagt richtig froh darueber so einen Kurs zu haben, weil die anderen Kurse so aufwendig sind. In meinem English Writing Kurs zum Beispiel muss ich immer extremst viel lesen und natuerlich Aufsaetze schreiben. In meinem Seminarkurs ueber Umwelt in den USA muss ich jede Woche mindestens einen Aufsatz schreiben und ebenfalls ziemlich viel lesen und in meinem Sport Management Kurs haben wir relativ zeitaufwendige Hausafugaben und ebenfalls eine Menge zu lesen. In der Zwischenzeit habe ich mich schon voll an das Englisch hier gewoehnt und dementsprechend faellt es mir nicht mehr so schwer wie am Anfang in meinen classes etwas zu sagen und so lange Texte in Englisch zu lesen oder in Englisch zu schreiben. Vielleicht auch noch n bisschen was zu den Leuten hier: Die Amerikaner sind wirklich ein bisschen anders, so wie ich es erwartet hatte. Hier auf dem Unigelaende kennt fast jeder jeden und jeder freut sich immer neue Leute kennen zu lernen. Bei manchen Leuten kommt es sogar vor, dass ich immer wieder mit denen rede, aber keine Ahnung habe, woher ich die eigentlich kenne. Und oefters weiss ich auf einfach die Namen nicht, weil ich doch eh so ein schlechtes Namens-und Gesichtergedaechtnis habe und bei so vielen neuen oberflaechlichen Bekanntschaften bin ich dann doch n bisschen ueberfordert mir die ganzen Namen zu merken. Meine Mannschaft ist von den Leuten her extremst lustig (!) und gut drauf und nett und ich versteh mich mit allen gut und mit ein paar wie zum Beispiel Ashley noch besser. Wenn meine Zeit hier nicht so extrem beschraenkt waere, koennte ich auch noch mehr mit den allen unternehmen, aber durch des Rehatraining und die Uni bleibt dafuer im Moment gar keine Zeit. Damit ihr kurz seht was ich mit „keine Zeit” mein, hab ich hier mal meinen typischen Tagesplan von Dienstag und Mittwoch:
Dienstag:
7 am aufstehen, richten, fruehstuecken
8 am – 9 am weights ( Fitnessraum, Hanteltraining, Bauchmuskeltraining, Rueckentraining)
9 am – 9.55 am Rehatraining
10 am- 11.15 am Sport Management class
11.30 am – 12.45 pm Spanisch class
12.45 pm – 1.15 pm Mittagessen
1.30 pm – 3.00 pm Rehatraining
3.15 pm – 6 pm Training
6 pm bis 7.30 pm Abendessen, umziehen, duschen
7.30 pm – 11 pm lesen und Aufsaetze schreiben Mittwoch:
7 am aufstehen, richten, fruehstuecken
8 am – 9 am English Writing class
9 am – 11 am Rehatraining
11 am – 12 pm Seminarkurs Umwelt in den USA
12pm bis 1 pm Mittagessen
1pm – 3 pm schlafen, Hausaufgaben
3pm bis 5.30 pm Rehatraining
6 pm – 9 pm Training
9 pm -10 pm essen, richten, duschen
10 pm – 11 pm lesen, Aufsaetze schreiben In diesem Tagesplan sind Dinge wie ausserunterichtliche Treffen mit den Professoren, Meetings vom Fussball und weitere Veranstaltungen bei denen man teilnehmen muss noch gar nicht dabei. Was zudem oefters mal vorkommt, sind sogenannte weather delays im Fussball. Florida ist eine Hochburg was Gewitter angeht und es ist ganz normal, dass einmal am Tag irgendwann am Nachmittag ein Gewitter aufzieht und dann meistens aber auch relativ schnell wieder geht. Wir haben immer nachmittags Training und sobald es einen Blitz auf dem Radar gibt, muessen wir eine halbe Stunde warten bis wir wieder auf den Trainingsplatz koennen. Das hat schon zu Trainingsunterbrechungen oder –verschiebungen von 2 Stunden gefuehrt. Letzten Donnerstag hat dadurch offiziell das Training um 2.15 uhr begonnen und um 6.30 Uhr geendet. Und unser letztes Spiel hat 1,5 Stunden spaeter, um 8.30 Uhr erst begonnen und wurde drei Minuten vor der Halbzeit fuer eine halbe Stunde unterbrochen, sodass wir erst gegen 11 Uhr fertig waren. Wobei die Verschiebungen, die wir in der Unkleide verbringen, meistens die lustigsten Zeiten sind, wo laut Musik laeuft und alle sich unterhalten und lachen.So, des wars dann erstmal von hier aus Florida. Ganz liebe Gruesse
Carmen