Bericht von Eva H.

Paper # 111

Das Flugzeug erreicht den Airport in Nashville um 17:00 Uhr Ortszeit. In Deutschland ist es 0:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist es mir noch nicht bewusst, was für ein großer Unterschied 7 Stunden sind. Während diesem ersten Semester habe ich jedoch öfter erfahren dürfen, dass meine Familie und Freunde nach Training und Schule um 6/7pm schon tief und fest schlafen.

Ein neues Leben in einer neuen Welt. Dank meines Urlaubs ein Jahr zuvor, war ich schon auf einiges vorbereitet. Da sind beispielsweise riesige Supermärkte, lange Straßen, Parkplätze bis zum letzten Platz gefüllt, süßes Essen in Massen. Ich könnte noch weiteres aufzählen, konzentriere mich aber jetzt auf den Grund dieses Lebenswechsels:

Die Möglichkeit, hier in den USA zu studieren, verdanke ich dem Fußball. Und wenn er nicht rund wäre, würde ich sagen, dass er hier auch ganz anderes rollt. Die ersten fünf Tage Training war es dem Coaching Stuff noch nicht erlaubt, dabei zu sein. (Ja, die Regeln der NCAA habe ich immer noch nicht zu 100% drauf.) Es war jedoch eine wirklich gute Zeit, um das Team kennen zu lernen und vor allem den Spirit, der hier herrscht. Ich möchte nicht sagen, dass es in meinen vorherigen Teams keinen Wettbewerbsgedanken gab, aber hier ging es von Anfang an gleich mit Tempo zur Sache. Das Tempo ist neben der Athletik vermutlich auch der größte Unterschied zu dem, was ich gewohnt war. Außerdem gehören diese beiden Kategorien zu meinen minder ausgeprägten Stärken, weswegen ich diesen Herbst viel zu kämpfen hatte. Wie man sich vermutlich denken kann, ist der deutsche Fußball mehr auf die Technik fokussiert. Das kann ich auch bestätigen, seitdem ich hier bin. Es gibt bei weitem technisch bessere Spielerinnen, aber dennoch denke ich, dass ich eine der besten Technikerinnen in meiner Mannschaft bin. In meinem alten Team gehörte ich zu den Ausdauerstärksten. Davon war hier anfangs wenig zu sehen, was mir und meinem Selbstbewusstsein auf keinem Fall gut getan hat. Die neue Situation, das Klima (feucht und sehr warm), allein in der großen, weiten Welt... Das alles hat mir meinen Anfang schwer gemacht. Ich habe viel gezweifelt und mich von Fehlern runterziehen lassen. Es hat soweit geführt, dass ich die ganze Saison Auswechselspielerin war und bis auf  zwei durchgespielte Spiele und einige Kurzeinsätze auf der Bank saß. Ich glaube zwei wichtige Eigenschaften die man für einen solchen Schritt benötigt, sind Durchhaltevermögen und Willen! Nach einiger Zeit bin ich an den freien Montagen gelaufen und habe die Woche über selbstständiges Krafttraining gemacht (Das Recreation Center ist definitiv ein Luxus-Plus: Alle Studenten dürfen hier kostenlos den ganzen Tag Sport machen, an Kursen teilnehmen, Ping-Pong, Raquetball und alles andere was das Sportlerherz beliebt, spielen!). Nun ist die Saison zu Ende, aber meine Extra-Trainingseinheiten noch lange nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich nächstes Semstester die Chance bekomme, mich zu beweisen und an meinen Schwächen zu arbeiten, um auf dem College-Level mitzuhalten. Wie gesagt, Konkurrenz gibt es hier genügend und entweder, man ist Nationalspielerin und kann Fußball im Schlaf, oder man will. Diese Optionen machen ein College-Team aus.

Auf akademischer Ebene hat Sportler sein Vor- und Nachteile: Es wird sich sehr darum gesorgt, dass es in der Schule gut läuft. Wir bekommen kostenlose Nachhilfelehrer, Materialien wie Taschenrechner (ansonsten kosten die $200!) und haben einen Athleten-Computerraum mit freiem Drucker/Kopierer. Außerdem wird sichergestellt, dass alle neuen Schüler verstehen, wie das System läuft. Ich habe mich jedem Montag mit unserer Athletik-Koordinatorin getroffen und die Wochen und Klassen durchgesprochen und wenn es Probleme gab, war immer jemand hilfsbereit. Und eines ist gewiss: Als ausländischer Schüler in ein neues Schulsystem geworfen zu werden, ist nicht einfach. Ich fand es schon kompliziert, das Abitur-Regelwerk zu verstehen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem  man damit umgehen kann. Wichtig für alle nachfolgenden Stipendiaten ist auch, dass man genügend Geld für die Bücher einplant, $300 sind da nicht unrealistisch. Im College-Sport gibt es Jahreszeiten/Semester-Saisons. Dass heißt, Fußball und American Football findet beispielsweise im Herbst statt, Soft- und Baseball im Frühling. Das zurückliegende Semester war also geprägt von vielen Spielen (jeden Freitag und Sonntag) und Reisen. Da wir in den USA sind, ist alles sehr groß und weit. Unser längster Trip war 10 Stunden nach Oklahoma (Ja, das ist positiv: Ich habe allein dieses halbe Jahr 9-10 Staaten besucht). Das bedeutet, die intensive Lern- und Hausaufgabenzeit wurde in den Bus verlegt. Und wehe, das Verhältnis zum Lehrer ist nicht so blumig. Denn auch wenn wir Fächer wie Mathe, Geschichte und Englisch belegen müssen, ist es doch eine Universität und die Dozenten kümmert es normalerweise nicht, ob du bei einem Test anwesend bist oder nicht. Alles in allem erfordert es also ordentlich Disziplin und ein gutes Organisations-/Kommunikationsvermögen. Zum Unterricht kann ich bis jetzt nur sagen, dass unsere deutsche Schulbildung in vielen Hinsichten wertvoll ist (Danke, liebe Lehrer, sogar für Mathe!). Mathe, Bio, und andere Fächer bauen auf dem auf, was wir schon wissen sollten, auch wenn es manchmal andere Lösungswege gibt. Die mathematische Schreibweise beispielsweise verwirrte mich im letzten Semester häufig. Wir haben Dinge durchgenommen, die ich eigentlich wusste, dann aber ganz andere Wege gelernt, wie man das Problem lösen soll. Meine Englisch-Klasse war auch ein Kampf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals in der Schule in einem halben Jahr so viele Papers und Essays schreiben musste, wie hier. Am vergangenen Montag habe ich mein letztes Projekt beendet – und diesen Triumph erstmal bejubelt. Es wird generell viel von den Studenten verlangt, aber wenn man durch ist, ist es ein gutes Gefühl. Wiedereinmal heißt es: Durchhalten!

Was die Sprache betrifft: Es ist lange her, dass ich einen qualitativ guten Text auf deutsch schreiben sollte und gerade stelle ich mit Schrecken fest, dass ich die erste deutsche Vokabel nachschlagen muss. Manchmal fange ich an, plötzlich englisch mit Freunden und Familie zu sprechen, einfach, weil mir englische Wörter schneller einfallen. Dank des Internets habe ich jedoch noch eine aktive Verbindung zu Deutschland und texte und skype viel. Manchmal, wenn ich sehr viel skype, fange ich an, aus Gedanken heraus deutsch mit meinen Freunden hier zu sprechen. Das ist verwirrend! Apropos Freunde: Wenn man es nach Amerika in ein Uni-Fußballteam schafft, muss man ein wenig Selbstbewusstsein haben, was es einem erleichtert und mehr oder weniniger auch garantiert, dass man hier Freunde findet. Egal, wo die Interessen liegen mögen. Außerdem ist UTM (Univesity of Tennessee at Martin) ziemlich klein, jeder kennt beinahe jeden. Ich persönlich habe mich mit den Leuten vom Rifle (Luftgewehr) Team angefreundet und mit ihren Familien Thanksgiving verbracht und visier auch Weihnachten in einer Familie an, da ich nicht nach Hause fliegen werde. Ich denke, dass Weihnachten in der Heimat für manche Leute ein riskantes Unterfangen sein kann. In die gewohnte Heimat zurückzukehren, kann sich sehr stark auf das danach kommende Heimweh auswirken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich, wenn ich Weihnachten zu Hause verbringen würde, Probleme hätte, wieder „neu“ hier zu starten. Solche Berichte habe ich hier auch schon von anderen Leuten gehört.

Normalerweise kommt jetzt die Stelle, wo man blumige Dankeswörter an die Organisation schreibt, die mich vermittelt hat, auch wenn einem nicht zum Danken zu Mute ist. Das Gute ist, dass mir das Sports-Scholarship-Team wirklich viel geholfen hat und ich mir jetzt nicht irgendwas ausdenken muss. Es gab viel, sehr viel Papierkram, der noch in Deutschland mehr oder weniger selbstständig erledigt werden musste und ich weiß nicht, ob es überhaupt eine Person gibt, die nicht irgendwo ein Problem hat. Die 2-3 Monate vor dem Abflug waren durch Abitur, Umzug und Stipendium vermutlich die stressigsten meines bisherigen Lebens, aber ich wusste, dass ich immer Rat und Unterstützung bei Malte, Philipp, Sebastian oder Steffen finden konnte. Danke dafür und auch, dass Ihr auf jede meiner dreimal nachgefragten Mails geantwortet habt. Ein Punkt, bei dem ich mir immer unsicher war, betraf die Zusammenarbeit, wenn ich erstmal in Amerika gelandet bin. Ich hatte immer gefürchtet, dass ich hier nun alleine allen Ungeheuhern der Bürokratie gegenüberstehen muss. Ich habe aber festgestellt, dass ich in meinen Fragen hier schon von der Uni und den Coaches aufgefangen wurde. Somit gab es gar keinen Grund, die Probleme nach Deuschland zu verlagern. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich enorm viel Support von Familie, Kirche und Freunden hatte, die mir immer wieder Motivation geben und an mich glauben. Das ist meiner Meinung nach wichtig, die Gewissheit, dass man etwas von der Last auf die Schultern liebender Menschen verteilen kann.

Das Stipendium ist eine wunderbare Möglichkeit, auf dem Weg in die Zukunft so viele Erfahrungen mitzunehmen, wie nur gehen und ich bin jetzt schon dankbar, für alles, was ich bisher erleben durfte und was mich weiter geschliffen hat. Wenn Du Fußball magst und dort Deine Leidenschaft liegt, kann ich Dir nur empfehlen, diesen Schritt zu gehen. Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Kraft (in verschiedenen Auslegungen) und andere wertvolle Eigenschaften sind die Konsequenzen dieser Entscheidung. Und ganz „nebenbei“ erhälst Du nach dem Durchhalten auch noch einen Abschluss und kannst Dein Berufsleben mit vielen neuen Kontakten in aller Welt starten!

Paper # 111

Das Flugzeug erreicht den Airport in Nashville um 17:00 Uhr Ortszeit. In Deutschland ist es 0:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist es mir noch nicht bewusst, was für ein großer Unterschied 7 Stunden sind. Während diesem ersten Semester habe ich jedoch öfter erfahren dürfen, dass meine Familie und Freunde nach Training und Schule um 6/7pm schon tief und fest schlafen.

Ein neues Leben in einer neuen Welt. Dank meines Urlaubs ein Jahr zuvor, war ich schon auf einiges vorbereitet. Da sind beispielsweise riesige Supermärkte, lange Straßen, Parkplätze bis zum letzten Platz gefüllt, süßes Essen in Massen. Ich könnte noch weiteres aufzählen, konzentriere mich aber jetzt auf den Grund dieses Lebenswechsels:

Die Möglichkeit, hier in den USA zu studieren, verdanke ich dem Fußball. Und wenn er nicht rund wäre, würde ich sagen, dass er hier auch ganz anderes rollt. Die ersten fünf Tage Training war es dem Coaching Stuff noch nicht erlaubt, dabei zu sein. (Ja, die Regeln der NCAA habe ich immer noch nicht zu 100% drauf.) Es war jedoch eine wirklich gute Zeit, um das Team kennen zu lernen und vor allem den Spirit, der hier herrscht. Ich möchte nicht sagen, dass es in meinen vorherigen Teams keinen Wettbewerbsgedanken gab, aber hier ging es von Anfang an gleich mit Tempo zur Sache. Das Tempo ist neben der Athletik vermutlich auch der größte Unterschied zu dem, was ich gewohnt war. Außerdem gehören diese beiden Kategorien zu meinen minder ausgeprägten Stärken, weswegen ich diesen Herbst viel zu kämpfen hatte. Wie man sich vermutlich denken kann, ist der deutsche Fußball mehr auf die Technik fokussiert. Das kann ich auch bestätigen, seitdem ich hier bin. Es gibt bei weitem technisch bessere Spielerinnen, aber dennoch denke ich, dass ich eine der besten Technikerinnen in meiner Mannschaft bin. In meinem alten Team gehörte ich zu den Ausdauerstärksten. Davon war hier anfangs wenig zu sehen, was mir und meinem Selbstbewusstsein auf keinem Fall gut getan hat. Die neue Situation, das Klima (feucht und sehr warm), allein in der großen, weiten Welt... Das alles hat mir meinen Anfang schwer gemacht. Ich habe viel gezweifelt und mich von Fehlern runterziehen lassen. Es hat soweit geführt, dass ich die ganze Saison Auswechselspielerin war und bis auf  zwei durchgespielte Spiele und einige Kurzeinsätze auf der Bank saß. Ich glaube zwei wichtige Eigenschaften die man für einen solchen Schritt benötigt, sind Durchhaltevermögen und Willen! Nach einiger Zeit bin ich an den freien Montagen gelaufen und habe die Woche über selbstständiges Krafttraining gemacht (Das Recreation Center ist definitiv ein Luxus-Plus: Alle Studenten dürfen hier kostenlos den ganzen Tag Sport machen, an Kursen teilnehmen, Ping-Pong, Raquetball und alles andere was das Sportlerherz beliebt, spielen!). Nun ist die Saison zu Ende, aber meine Extra-Trainingseinheiten noch lange nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich nächstes Semstester die Chance bekomme, mich zu beweisen und an meinen Schwächen zu arbeiten, um auf dem College-Level mitzuhalten. Wie gesagt, Konkurrenz gibt es hier genügend und entweder, man ist Nationalspielerin und kann Fußball im Schlaf, oder man will. Diese Optionen machen ein College-Team aus.

Auf akademischer Ebene hat Sportler sein Vor- und Nachteile: Es wird sich sehr darum gesorgt, dass es in der Schule gut läuft. Wir bekommen kostenlose Nachhilfelehrer, Materialien wie Taschenrechner (ansonsten kosten die $200!) und haben einen Athleten-Computerraum mit freiem Drucker/Kopierer. Außerdem wird sichergestellt, dass alle neuen Schüler verstehen, wie das System läuft. Ich habe mich jedem Montag mit unserer Athletik-Koordinatorin getroffen und die Wochen und Klassen durchgesprochen und wenn es Probleme gab, war immer jemand hilfsbereit. Und eines ist gewiss: Als ausländischer Schüler in ein neues Schulsystem geworfen zu werden, ist nicht einfach. Ich fand es schon kompliziert, das Abitur-Regelwerk zu verstehen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem  man damit umgehen kann. Wichtig für alle nachfolgenden Stipendiaten ist auch, dass man genügend Geld für die Bücher einplant, $300 sind da nicht unrealistisch. Im College-Sport gibt es Jahreszeiten/Semester-Saisons. Dass heißt, Fußball und American Football findet beispielsweise im Herbst statt, Soft- und Baseball im Frühling. Das zurückliegende Semester war also geprägt von vielen Spielen (jeden Freitag und Sonntag) und Reisen. Da wir in den USA sind, ist alles sehr groß und weit. Unser längster Trip war 10 Stunden nach Oklahoma (Ja, das ist positiv: Ich habe allein dieses halbe Jahr 9-10 Staaten besucht). Das bedeutet, die intensive Lern- und Hausaufgabenzeit wurde in den Bus verlegt. Und wehe, das Verhältnis zum Lehrer ist nicht so blumig. Denn auch wenn wir Fächer wie Mathe, Geschichte und Englisch belegen müssen, ist es doch eine Universität und die Dozenten kümmert es normalerweise nicht, ob du bei einem Test anwesend bist oder nicht. Alles in allem erfordert es also ordentlich Disziplin und ein gutes Organisations-/Kommunikationsvermögen. Zum Unterricht kann ich bis jetzt nur sagen, dass unsere deutsche Schulbildung in vielen Hinsichten wertvoll ist (Danke, liebe Lehrer, sogar für Mathe!). Mathe, Bio, und andere Fächer bauen auf dem auf, was wir schon wissen sollten, auch wenn es manchmal andere Lösungswege gibt. Die mathematische Schreibweise beispielsweise verwirrte mich im letzten Semester häufig. Wir haben Dinge durchgenommen, die ich eigentlich wusste, dann aber ganz andere Wege gelernt, wie man das Problem lösen soll. Meine Englisch-Klasse war auch ein Kampf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals in der Schule in einem halben Jahr so viele Papers und Essays schreiben musste, wie hier. Am vergangenen Montag habe ich mein letztes Projekt beendet – und diesen Triumph erstmal bejubelt. Es wird generell viel von den Studenten verlangt, aber wenn man durch ist, ist es ein gutes Gefühl. Wiedereinmal heißt es: Durchhalten!

Was die Sprache betrifft: Es ist lange her, dass ich einen qualitativ guten Text auf deutsch schreiben sollte und gerade stelle ich mit Schrecken fest, dass ich die erste deutsche Vokabel nachschlagen muss. Manchmal fange ich an, plötzlich englisch mit Freunden und Familie zu sprechen, einfach, weil mir englische Wörter schneller einfallen. Dank des Internets habe ich jedoch noch eine aktive Verbindung zu Deutschland und texte und skype viel. Manchmal, wenn ich sehr viel skype, fange ich an, aus Gedanken heraus deutsch mit meinen Freunden hier zu sprechen. Das ist verwirrend! Apropos Freunde: Wenn man es nach Amerika in ein Uni-Fußballteam schafft, muss man ein wenig Selbstbewusstsein haben, was es einem erleichtert und mehr oder weniniger auch garantiert, dass man hier Freunde findet. Egal, wo die Interessen liegen mögen. Außerdem ist UTM (Univesity of Tennessee at Martin) ziemlich klein, jeder kennt beinahe jeden. Ich persönlich habe mich mit den Leuten vom Rifle (Luftgewehr) Team angefreundet und mit ihren Familien Thanksgiving verbracht und visier auch Weihnachten in einer Familie an, da ich nicht nach Hause fliegen werde. Ich denke, dass Weihnachten in der Heimat für manche Leute ein riskantes Unterfangen sein kann. In die gewohnte Heimat zurückzukehren, kann sich sehr stark auf das danach kommende Heimweh auswirken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich, wenn ich Weihnachten zu Hause verbringen würde, Probleme hätte, wieder „neu“ hier zu starten. Solche Berichte habe ich hier auch schon von anderen Leuten gehört.

Normalerweise kommt jetzt die Stelle, wo man blumige Dankeswörter an die Organisation schreibt, die mich vermittelt hat, auch wenn einem nicht zum Danken zu Mute ist. Das Gute ist, dass mir das Sports-Scholarship-Team wirklich viel geholfen hat und ich mir jetzt nicht irgendwas ausdenken muss. Es gab viel, sehr viel Papierkram, der noch in Deutschland mehr oder weniger selbstständig erledigt werden musste und ich weiß nicht, ob es überhaupt eine Person gibt, die nicht irgendwo ein Problem hat. Die 2-3 Monate vor dem Abflug waren durch Abitur, Umzug und Stipendium vermutlich die stressigsten meines bisherigen Lebens, aber ich wusste, dass ich immer Rat und Unterstützung bei Malte, Philipp, Sebastian oder Steffen finden konnte. Danke dafür und auch, dass Ihr auf jede meiner dreimal nachgefragten Mails geantwortet habt. Ein Punkt, bei dem ich mir immer unsicher war, betraf die Zusammenarbeit, wenn ich erstmal in Amerika gelandet bin. Ich hatte immer gefürchtet, dass ich hier nun alleine allen Ungeheuhern der Bürokratie gegenüberstehen muss. Ich habe aber festgestellt, dass ich in meinen Fragen hier schon von der Uni und den Coaches aufgefangen wurde. Somit gab es gar keinen Grund, die Probleme nach Deuschland zu verlagern. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich enorm viel Support von Familie, Kirche und Freunden hatte, die mir immer wieder Motivation geben und an mich glauben. Das ist meiner Meinung nach wichtig, die Gewissheit, dass man etwas von der Last auf die Schultern liebender Menschen verteilen kann.

Das Stipendium ist eine wunderbare Möglichkeit, auf dem Weg in die Zukunft so viele Erfahrungen mitzunehmen, wie nur gehen und ich bin jetzt schon dankbar, für alles, was ich bisher erleben durfte und was mich weiter geschliffen hat. Wenn Du Fußball magst und dort Deine Leidenschaft liegt, kann ich Dir nur empfehlen, diesen Schritt zu gehen. Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Kraft (in verschiedenen Auslegungen) und andere wertvolle Eigenschaften sind die Konsequenzen dieser Entscheidung. Und ganz „nebenbei“ erhälst Du nach dem Durchhalten auch noch einen Abschluss und kannst Dein Berufsleben mit vielen neuen Kontakten in aller Welt starten!