Bericht von Jens V.

Lieber Sebastian, Lieber Philipp,

es ist jetzt schon gut 5 Jahre her, als ich damals Kontakt zu euch aufnahm mit der Hoffnung, an eine Universität in den USA vermittelt zu werden um College Tennis zu spielen und gleichzeitig ein amerikanisches Studium zu absolvieren. Zurückblickend betrachtet, könnte ich euch für eure unglaublich professionelle und ehrliche Vermittlung nicht dankbarer sein, da ihr mich an die University of Denver vermittelt habt, wo ich die besten 4 Jahre meines noch jungen Lebens genießen durfte.  Nicht nur haben mich diese 4 Jahre unter athletisch sehr professionellen Vorraussetzungen spielerisch enorm weitergebracht und mir zudem noch ermöglicht, ein amerikanisches Bachelorstudium abzuschließen, sondern hat die Zeit mich außerdem noch menschlich in eine völlig neue Richtung verändert und entwickelt; ich bin menschlich sehr gereift, habe eine Erfahrung machen dürfen, die nur wenige Menschen machen können und habe zudem Menschen kennengelernt, mit denen ich wohl bis zu meinem Lebensende befreundet sein werde.

Natürlich war ich vor meiner Anreise in die Vereinigten Staaten von Amerika nervös und hatte viele Fragezeichen in meinem Kopf; noch nie zuvor war ich auf ganz auf mich allein gestellt, abseits von der Familie und in einem Land am anderen Ende der Welt. Würde ich allein zurecht kommen? Was ist die USA überhaupt, wie werden sich die Menschen mir, einem Ausländer gegenüber verhalten? Wie soll ich ein so professionelles Sportlerleben mit Uni verbinden und zudem noch Zeit für eigene Interessen haben? Dies waren nur einige Fragen, die mir im Flieger durch den Kopf gingen und mir schon ein etwas mulmiges Gefühl im Magen verursachten. Jetzt, nach 4 ½ Jahren blicke ich mit einem Lächeln auf diese Zeit und meinen derzeitigen Entwicklungszustand zurück und stelle fest, dass jegliche Unsicherheit damals unnötig und völlig unbegründet war, da ich von der ersten Sekunde an liebe- und verständnisvoll aufgenommen wurde und sich mir ein Leben präsentierte, von dem ich vorher nur träumen konnte.

Nachdem ich 4 Jahre lang nahezu wöchentlich in den USA gereist bin, gegen andere Universitäten spielen durfte und mir ihren Campus angucken konnte, kann ich nun mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich auf Grund eurer Vermittlung einen der wohl schönsten, gepflegtesten und spannendsten Campusse an der University of Denver genießen durfte. Wie unvergleichbar die Universitätsfakultäten vor Ort waren lässt sich eigentlich nur begreifen, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat und sich ein eigenes Urteil zu dem Unterschied zu deutschen Universitäten machen kann.

Ein weiteres Phänomen, welches es so nicht an deutschen Universitäten gibt, ist der sogenannte „School-spirit“, ein Wort welches die unglaubliche Liebe und Geschlossenheit der Studenten zu ihrer Universität beschreibt und nur in Worten wiedergeben kann, wie jedes Wochenende hunderte, gar tausende von Studenten zu Wettkämpfen anderer Kommilitonen gehen, sie lautstark anfeuern, die eigene Universität mit Plakaten und Gesängen repräsentieren und man schlichtweg vor einer sportlichen Kulissen spielt, die man sonst nur im Fernsehen bei den ganz großen Wettkämpfen der Profis sehen kann. Dass dies den Wettkampf auf ein ganz anderes Level und einen viel höheren Spaßfaktor hebt, muss man nicht mehr erwähnen und erklärt sich von selbst.

Um die sportliche Karriere an der University of Denver in einem Wort zusammenzufassen, berufe ich mich auf das Wort „professionell“. Als „Student-Athlete“ stehen einem jeden Tag ein eigenes Fitnessstudio, eine eigene medizinische Abteilung mit High-tech Geräten, eine eigene akademische Betreuungsabteilung und eine eigene Sportanlage zur Verfügung, auf der man trainieren und seinen Sport perfektionieren kann. All dies steht  für den „Normalstudenten“ nicht zur Verfügung. Auch akademisch erfährt der Student-Athlete keinerlei Nachteile. Die Professoren sind alle sehr freundlich und verständnisvoll, gerade im Hinblick auf die zeitliche Organisation, und helfen dem Sportler ein athletisches und akademisches Studium bestmöglich zu verbinden. Dies darf nicht verstanden werden, als dass Faulheit toleriert wird, im Gegenteil; bei fehlender Anwesenheit oder schlechten schulischen Leistungen werden sofort die jeweiligen Trainer informiert, der dann die Aufgabe hat, seinen Schützling wieder auf die richtige Bahn zu geleiten; dass dies nahezu immer durch läuferische Strafen zu statten kommt erklärt sich ebenfalls von selbst. Die eben angesprochene Toleranz der Professoren muss also so verstanden werden, dass dem Sportler wo immer möglich unter die Arme gegriffen wird, sei es durch ein „Exam on the road“ oder eine Verlängerung einer Hausarbeitsfrist, alles jedoch unter der Vorraussetzung, dass der Athlet auch seine akademisch erforderliche Leistung erbringt, wie jeder andere Student auch.

Um zurück auf den sportlichen Aspekt zu kommen, zeigt sich die professionelle Einstellung der University of Denver auch darin, dass sportliches Equipment wie Schläger, Schuhe, Klamotten ebenso wie Flüge zu Auswärtsspielen, Hotels sowie Mahlzeiten auf Reisen zu 100% bezahlt werden, der Sportler somit keinerlei finanzielle Verpflichtungen hat. Zudem hatte ich das Glück, 4 Jahre lang unter zwei Trainern trainieren zu dürfen, Danny Westerman (Head Coach) und Chris Lam (Assistant Coach), die beide selbst sehr starke Tennisspieler waren, an einer Profikarriere nur knapp gescheitert sind und mir mit ihrem großen Tenniswissen und Trainingsmethoden zu einer enormen Leistungsentwicklung verholfen haben. Ein Beispiel für dies zeigt mein Sieg gegen den Franzosen Florent Diep ( 673 ATP vor Beginn seiner Collegezeit), in dem wohl größten und wichtigsten Einzel- als auch Dual Match meiner Karriere in der ersten Runde des NCAA Turniers 2013 gegen die in der Rangliste 15. beste Mannschaft zu der Zeit in Amerika, die Florida Gators.

Dies leitet meinen nächsten Punkt ein, ein Erlebnis welches ich nie vergessen werde und von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde. In meinem letzten Jahr an der University of Denver, meinem Senior Year, gelang es uns zum aller ersten Mal in der Universitätsgeschichte unsere Conference zu gewinnen, die Trophäe in die Luft halten zu dürfen und uns für das nationale Endturnier, dem NCAA Turnier zu qualifizieren (letzteres gelang vorher auch schon mal, jedoch nicht durch den Gewinn der Conference, sondern durch ein entsprechend hohes Ranking nach Vollendung des letzten offiziellen Saisonspiels). In einem unglaublichen Finale besiegten wir die University of Idaho mit 4:0, ein Team gegen das wir zwei Wochen zuvor mit 4:3 verloren hatten. Im Conference-Finale jedoch, lief alles wie ich es nur zu träumen vermag hatte. Jeder einzelne Spieler meiner Mannschaft hatte einen Sahnetag, kannte offenbar das Wort „Nerven“ nicht und spielte sein bestes Tennis. Nicht nur ich besiegte meinen Gegner glatt, einen Gegner, gegen den ich in der Vergangenheit beide Aufeinandertreffen verloren hatte, sondern auch meine Mitspieler gewannen ihre Spiele bzw. waren kurz davor, ihre Spiele siegreich zu beenden; zudem schafften wir etwas, woran das Tennisteam der University of Denver seit Bestehen der Institution gescheitert war, nämlich dem Sieg des Conference Turniers. Die folgenden Bilder können nur einen Hauch der Emotionen veranschaulichen, die in diesem Augenblick erweckt wurden. 
 

Dies sollte jedoch noch nicht das Ende der erfolgreichsten Saison der Unigeschichte sein. Als ungeranktes Team, nur auf Grund des Conferencesieges, qualifizierten wir uns für das NCAA Turnier und reisten nach Florida, um in der ersten Runde gegen den haushohen Favoriten und die #15 des offiziellen Uni-Rankings, die Florida Gators anzutreten; ein Team das sich Jahr für Jahr mit Siegen gegen die besten Universitäten in den USA und zahllosen Siegen in gerade diesem NCAA Turnier einen Namen gemacht hatte. Ob es nun Arroganz oder schier das Entsetzen war, dass wir uns als Gegner nicht einfach der Übermacht ergaben sondern kämpften, Blut schwitzten und an uns glaubten, weiß ich nicht, am Ende jedoch besiegte David Goliat mit 4:3 und trug sich mit einem historischen Ereignis in alle Geschichtsbücher ein. Noch nie zuvor hat ein Top 16 Team in der ersten Runde des NCAA Turniers verloren, geschweige denn gegen einen ungerankten Gegner. Wie sich dieses historische Ereignis letztendlich vollbracht hat lässt sich nicht in Worte fassen; das Einzige was sich sagen lässt ist, dass ich nicht stolzer sein könnte, dieses Ereignis als ein Denver Pioneer miterleben und ein Teil von ihm gewesen sein zu dürfen.

Am nächsten Tag verloren wir nach hartem Kampf knapp gegen die #18 California, nichtsdestotrotz bleibt dieses Wochenende unvergesslich und lässt mich ins Schwärmen geraten.

            Nun sind 4 Jahre Collegezeit in den USA vergangen und ich blicke zurück auf unglaubliche Menschen die ich kennengelernt habe und in Kontakt bleiben werde, auf sportliche als auch akademische Erfolge die ich feiern durfte sowohl wie auf meine große Liebe, die ich in meiner Collegezeit in den USA an der University of Denver kennengelernt habe. Es waren die schönsten 4 Jahre meines Lebens!

Ohne euch und eure Vermittlung, Sebastian und Philipp, wäre alles dies nicht möglich gewesen, daher bin ich euch zu tiefstem Dank verpflichtet und werde die Hilfe und Vermittlung durch sports-scholarships immer weiterempfehlen.

Beste Grüße,

Jens