Bericht von Julia P.

Warum ich zum Studium und Tennis in die USA gegangen bin:
Ueber Amerika und die Moeglichkeiten, als Leistungssportler dort sein Studium zu finanzieren, habe ich das erste Mal direkt in der Tennisszene gehoert. Auf Turnieren bin ich mit Leuten ins Gespraech gekommen, und nachdem ich mich auf der sportscholarships-Seite ein bisschen kundig gemacht habe, war ich eigentlich schon fasziniert von Anfang an. Nichtsdestotrotz war es ein grosser Schritt, letztendlich alles in die Wege zu leiten, und den Schritt ueber den grossen Teich dann  auch zu wagen, eine Entscheidung, die ich mein ganzes Leben nicht bereuen werde, weil ich hier absolut die besten Jahre meiner Jugend verbringe, und Erfahrungen mache, die ich in Deutschland nie so haette machen koennen. Neben dem Studium auf englisch, was am Anfang etwas furchteinfloessend war, sich aber schlussendlich als ueberaus machbar herausgestellt hat, bieten sich mir hier in sportlicher Hinsicht Moeglichkeiten, die das deutsche Studentenleben bei weitem uebertrumpfen. Das Leben in einer engverwobenen Gemeinschaft, wie es auf einem relativ kleinen US-Campus ueblich ist, die Teamdynamik, und die Trainingsmoeglichkeiten hier, haben mich vollkommen davon ueberzeugt, dass ich am richtigen Fleck gelandet bin.

Unterschiede zu Deutschland:
Im Vergleich zu Deutschland, wo der meiste Sportbetrieb in den Vereinen ablaeuft, gibt es hier in Amerika nichts schoeneres als den Collegesport. Amerikaner im allgemeinen sind ueberaus sportfanatisch, was sich nicht nur auf die typischen amerikanischen Sportarten wie Baseball, Basketball, oder Football beschraenkt. Man wird nirgendwo auf der Welt so eine ausgepraegte Sportkultur wie hier in den Staaten finden. Auch von der Mentalitaet her sind die Amerikaner schon ein Voelkchen fuer sich, auf den ersten Blick aber ueberaus entgegenkommend und freundlich, sehr viel entspannter als so mancher Deutsche. Darum war es fuer mich eigentlich am Anfang auch sehr einfach, neue Kontakte zu knuepfen und mit anderen ins Gespraech zu kommen.
Zu Beginn ist man ein bisschen ueberrascht, aber positiv angetan, dass jeder von einem wissen will, wie es einem geht, aber mit der Zeit kommt die automatisierte Antwort, es geht einem gut, ganz leicht von den Lippen.

Was mir in den USA besonders gut gefaellt:
Das soziale Leben auf dem Campus, die Atmosphaere im Team, und die unzaehligen Moeglichkeiten, neue Erfahrungen zu machen und mit anderen Kulturen und Laendern in Kontakt zu kommen, sind die absoluten Highlights meines Lebens hier. Ganz anders als in Deutschland, war es hier sehr viel einfacher, feste Freundschaften zu knuepfen, die hoffentlich ein Leben lang halten. Dadurch dass man jeden Tag miteinander verbringt, zusammen isst, trainiert, in Unterricht geht, Spass hat, lacht, und lebt, lernt man Leute sehr viel besser kennen, als ich es je zuvor erlebt habe. Und jeder hat so viele verschiedene Sachen erlebt, da wir alle aus den verschiedensten Ecken der Welt stammen. Beispielsweise sind allein bei uns im Damentennisteam 7 verschiedene Nationen vertreten, bei den Maennern sogar noch sehr viel mehr.
Vom Studium her, finde ich es auch super, dass die Klassen sehr klein sind, meistens so 20 bis hoechsten 35 Leute, anstatt 300 in manchen Vorlesungen an deutschen Unis. Wenn man den Kontakt sucht, sind die Professoren auch offen, und sehr hilfsbereit. Dadurch dass die Klassen so klein sind, ist der persoenliche Kontakt bald da, und die Lernatmosphaere sehr viel angenehmer.

Woran musste ich mich erst gewoehnen:
Der Kulturschock war natuerlich am Anfang schon gross. Da ich zum ersten Mal meinen Fuss in die Staaten gesetzt habe, war es fuer mich wie der Sprung ins kalte Wasser. Die erste Nacht in den Dorms war grauenhaft, da die Einrichtung nicht gerade berauschend war, und alles eher an ein Gefaengnis erinnert hat, als ein Platz, an dem ich mich wohlfuehlen sollte. Nachdem alles ein bisschen dekoriert war, sah die Welt aber gleich viel anders aus.
Die ersten Wochen fuehlte ich mich auch erstmal heillos ueberfordert mit der neuen Sprache, Umgebung, Leute, usw, aber das hat sich schnell gegeben. Im Grunde hat man ja den Wortschatz und die Kenntnisse, man ist es nur nicht gewoehnt, zu sprechen. Und da jeder sehr schnell und oft auch mit Slang unterlegt geredet hat, habe ich vorerst eher zugehoert, als mich an Unterhaltungen aktiv zu beteiligen. Mit der Zeit gewoehnt man sich aber an alles, und faengt auch ganz von alleine an, einfach draufloszureden.
Mittlerweile ziehe ich es hier sogar vor, Englisch zu reden, auch wenn deutsche Mitstudenten um mich herum sind, oder ich sogar allein mit meinen deutschen Freunden bin, da es meiner Meinung sehr viel einfacher und cooler ist, sich auf Englisch auszudruecken.

Was habe ich neu gelernt/wo habe ich mich weiterentwickelt:
Sprachlich habe ich definitiv Meilenschritte gemacht. Ich habe kein Problem mehr, andere zu verstehen, selbst mit den merkwuerdigsten Akzenten, Unterhaltungen auf englisch zu fuehren, und kann eigentlich ganz ich selber sein. Auch hinsichtlich Selbststaendigkeit und sein eigenes Leben zu organisieren, habe ich mich sehr entwickelt, allein durch die Erfahrung, ohne Eltern in einem fremden Land zurechtzukommen. Ich habe mein Leben selber in der Hand und darauf bin ich sehr stolz. Meine Persoenlichkeit hat sich meiner Meinung auch positiv entwickelt, in dem Sinne, dass ich ein sehr viel kontaktfreudiger, offener und lebenslustiger Mensch bin, als ich es vielleicht zuvor war.

Meine Plaene fuer die Zukunft:
Also erstmal moechte ich mein Bachelor-Studium hier in den Staaten vollenden, vielleicht sogar noch ein Master-Studium anhaengen, und dann hoffentlich einen Job, entweder in den USA, oder daheim in Deutschland bekommen, in dem ich gluecklich werde. Meine kurzfristigen Ziele hinsichtlich Tennis sind die NEC-championships zu gewinnen, einem Traum, dem wir in den letzten Wochen sehr nahegekommen sind. In ca. 4 Wochen stellt sich heraus, ob sich die Arbeit und der Schweiss der letzten Wochen und Monaten gelohnt hat, und wir unsere Universitaet in Ehren vertreten konnten.
Falls wir den Titel wirklich gewinnen wuerden, waere hier die Hoelle los.

Ob ich deutschen Abiturienten den Collegesport empfehlen kann?
Hell yeah! Ich kann jedem ambitionierten Sportler mit Abitur nur waermstens ans Herz legen, den Sprung in die USA zu wagen. Fuer mich hat es sich auf alle Faelle ausgezahlt. Es kommt natuerlich immer auf die Uni drauf an, aber falls man Glueck hat, so wie ich, verbringt man die beste Zeit seines Lebens hier.
Ich koennte noch so viel mehr sagen, aber ich denke es reicht :)
Viele Gruesse aus New Jersey
Julia