Bericht von Kirsten B.

 

Studium und Sport perfekt kombinieren – das ist in Deutschland kaum möglich, vor allem nicht in der Leichtathletik. Oft scheitern die Leichtathleten an fehlender finanzieller Unterstützung und an mangelnder Zeit, um den Leistungsport neben dem Studium auf hohem Niveau weiter zu führen. Eine perfekte Alternative dazu bietet daher ein Studium in den USA. Vormittags Uni, nachmittags volle Konzentration auf das Training.

Vor drei Jahren habe ich mich dazu entschieden, den weiten Weg in die USA zu fliegen, um weiter Leichtathletik betreiben zu können, aber gleichzeitig auch meine Akademische Laufbahn voran zu treiben. Mein Weg führte mich zu der University of Memphis in Memphis, Tennessee. Vor dem Abflug war ich total aufgeregt und es plagte mich die Ungewissheit, was mich in den Staaten erwarten würde. Wie ist die Uni? Wird es schwer mit zukommen wegen der Sprache? Wie sind die Trainingsmöglichkeiten, und vor allem, inwiefern unterscheidet sich das Training von dem was ich gewohnt bin?

In Memphis angekommen, wurde ich mich offenen Armen von meinem Coach und meinen Teammates empfangen, die wie eine Familie für mich sein sollten in den darauf folgenden Jahren. Als der Tag des ersten Trainings kam, war ich ganz schön nervös. Zuvor hatte ich mich mit meinen Teammates unterhalten, um mir vielleicht eine kleine Vorstellung davon machen zu können, was mich erwarten würde. Allerdings hatte das meinen Nerven nicht geholfen, sondern eher meine Nervosität gesteigert, denn so wie ich das verstanden hatte, legen die Amerikaner den Fokus im Training mehr auf Quantität als Qualität. Genau das wurde mir in den ersten Trainingseinheiten dann auch bestätigt. Es wurde fast nur gelaufen und jeder Athlet, sei er nun Läufer, Werfer oder Springer hat erst einmal das gleiche Training absolviert. Dass das ein wenig absurd und sicher nicht leistungsfördernd klingt, versteht bestimmt auch jemand, der nicht viel mit Leichtathletik am Hut hat. Viel hat sich das Training dann auch nicht geändert, und mein Training war viel von langen Läufen und Krafttraining geprägt. Ich als fauler Hochspringer war das ganz und gar nicht gewohnt, was sich auch nach ein paar Monaten an meiner Gesundheit gezeigt hat. In meinem ersten Jahr war ich viel von Verletzungen geplagt, sodass meine Saison anders als erwartet schlecht verlief. Allerdings waren während einer solch enttäuschenden Saison meine Teammates und Coaches eine große Unterstützung. Da Leichtathletik eine Individuelle Sportart ist, wusste ich es nie was es heißt, einem Team anzugehören oder die Unterstützung der Team Mitglieder zu erfahren. In den USA wird Team Geist allerdings groß-geschrieben und jeder wird angefeuert. In so einigen Situationen im Training hat es noch einmal extra Motivation gegeben, zu wissen, dass deine Teammates hinter dir stehen, dich unterstützen und auch auf dich zählen. Es verleiht buchstäblich Flüge, es gibt extra Motivation und es lässt manche Schmerzen vergessen. Bei den wenigen Wettkämpfen, dich ich in der Saison bestreiten konnte, war die Anfeuerung der Anderen eine richtige Beflügelung. Nach der Sommerpause, die ich zu Hause in Deutschland verbracht habe und somit viel Reha und allgemeines Kräftigungstraining machen konnte, lief es dann in meinem Sophomore Year wesentlich besser im Training und ich blieb verletzungsfrei. Das Training wurde umgestellt und meinem Bedürfnissen angepasst, sodass ich in der Spring Saison dann meine Bestleistung in der Halle wie auch in der Freiluft Saison verbessern konnte. Mit der gesprungenen Höhe, konnte ich mich ebenfalls für die East Regionals qualifizieren, die als Vorkämpfe für die Nationals gelten. So anders wie das Training auch war und so viel ich auch gezweifelt habe, ob es mir sportlich weiter helfen wird – es hat trotzdem Spaß gemacht, jeden Tag mit deinen Teammates und Freunden auf dem Sportplatz zu stehen und sich gemeinsam durch das Training zu kämpfen. Dadurch wird der Zusammenhalt noch einmal gestärkt und tiefgehende Freundschaften gebildet. Nun bin ich ein Senior und in den letzten Jahren hat sich viel geändert. Das Training wurde besser und auf die spezielle Disziplinen ausgerichtet. Im Rückblick kann ich eingestehen, dass all das Laufen und harte Training in meinem ersten Jahr mir nun im Training hilft. Man muss sich einfach nur durch beißen und die Freude am Sport nicht verlieren.

Akademisch gesehen stehen den Sportlern in den USA auch viel Unterstützung und Ressourcen zur Verfügung. Jede Sportart hat einen eigenen Academic Advisor, die sehr freundlich und hilfsbereit sind, sodass sich auch Internationale Studenten sehr schnell an das ungewohnte College-System in den USA gewöhnen können. Mein Academic Advisor half mir bei der Entscheidung ein Major zu wählen und danach auch richtigen Kurse zu finden und zu belegen. Meine Nervosität über die Kurse wurde mir auch in der ersten Woche genommen. Alle Professoren waren begeistert als sie erfuhren, dass ich aus Deutschland komme und boten mir sofort Hilfe an, falls ich irgendwelche Fragen haben sollte. Das College System in den USA gefiel mit viel besser als das in Deutschland. Wenn man an einer Uni angenommen wurde, kann man alles studieren was angeboten wird, ohne nochmal auf einen NC zu achten. Auch wenn man sich nach dem Abitur noch nicht 100 prozentig sicher ist, was man studieren möchte, kann man trotzdem anfangen zu studieren und erst einmal General Education Kurse belegen und sich dann später entscheiden, auf welches Fach man sich spezialisieren möchte. Da ich mir nach meinem Abitur noch nicht sicher war, in welche Richtung ich gerne gehen möchte, kam mir dieses System sehr entgegen. In meinem ersten Jahr war ich somit “undecided“ und habe erst einmal nur einfache General Education Kurse belegt. Somit habe ich keine Zeit verloren und hatte noch ein extra Jahr um mich klar über meinen Werdegang zu werden. Im Laufe meiner drei Jahre in Memphis habe ich außerdem mein „Major“ drei Mal gewechselt ohne in Rückstand zu geraten, sodass ich meinen Abschluss immer noch in 4 Jahren schaffen werde.

Als Sportler an einer amerikanischen Universität hat man einen gewissen Stellenwert. Die Amerikaner stecken viel Geld in die Förderung des Sports, sodass einem optimale Trainingsbedingungen zur Verfügung stehen. Aus Deutschland kannte ich es nie einen eigenen Physiotherapeuten zu haben. Hier in Memphis, hat jede Sportart einen eigenen Physiotherapeuten, sodass man jeden Tag optimale medizinische Unterstützung hat und nicht stundenlang bei einem Arzt auf die Untersuchung warten muss.

Alles in allem kann ich jedem Sportler empfehlen, der nicht auf dem Olympischen Niveau Sport betreibt, den Weg in die USA zu gehen. Hier kann Sport und Uni perfekt kombiniert werden. Ich hatte eine super Zeit in Memphis und habe Freunde fürs Leben gefunden. Es gab viele Höhen wie auch Tiefen, aber ich hatte immer die volle Unterstützung meiner Coaches und Teammates, was mich durch so manche Talfahrten verhalf und mich in Retrorespekt auf wundervolle vier Jahre hier in Memphis zurück blicken lässt, die ich nie missen möchte.