Bericht von Lisa

Skilanglauf @ Michigan Tech

 

Houghton/ Michigan. Die einen würden es als „das Ende der Welt“ bezeichnen oder auch als einen Ort in dem „tote Hose“ herrscht. Aber für mich ist die 7000- Seelen- Stadt auf der Upper Penninsula in Michigan zu einer Art neuen Heimat geworden.

Als ich am 17. August mit dem Flugzeug von Chicago auf dem Houghton/ Hancock Memorial Airport gelandet bin, war es schon spät, aber alles hat mich an bisschen an einen verlassenen Bahnhof erinnert: eine ziemlich kleine Eingangshalle, ein paar Ticketschalter, Sitzbänke, vereinzelte Menschengrüppchen, das wars…

Coach Haggenmiller und seine Tochter haben mich kurz nach meiner Ankunft abgeholt und mich zu den Dorms (Studentenwohnheim) gefahren. Auf dem Weg dorthin wurde ich ein wenig auf die amerikanische College- Kultur vorbereitet: MICHIGAN TECHNOLOGICAL UNIVERSITY, der ganze Stolz der Stadt und an jeder Straßenecke zu finden. Im Wohnheim angekommen habe ich dann auch gleich meinen Roomie Sonja kennengelernt und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Dann war der erste Tag im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch schon vorbei.

Jetzt bin ich seit fast 4 Monaten ein „Yopper“ (jemand der „in the U.P.“ lebt) und es gefällt mir immer besser. Die Umgebung hier ist nichts für Stadtmenschen. Wald, soweit das Auge reicht. Und wenn man sich umdreht: der Lake Superior, Unmengen an Wasser. Außerdem haben mir schon mehrere Menschen hier  enthusiastisch von den Schneemengen im Winter erzählt: 200- 300 inches! Um es anders auszudrücken: das sind über 5 Meter. Einige werden jetzt denken: „Um Himmels Willen, ist die denn verrückt da freiwillig hinzugehen?“ Nein, ich mache Skilanglauf. Und da braucht man nun mal Schnee um richtig trainieren zu können. Und seit letzter Woche kann ich das auch. Endlich die Bretter dran schnallen und die „Tech- Trails“ unsicher machen. Natürlich nicht ohne mein einzigartiges Team bestehend aus 11 Mädels (inklusive meinem Roommate Sonja) und 13 Jungs. Ich war sofort am ersten Tag begeistert von der Motivation und Freude die alle beim Training an den Tag gelegt haben und habe mich auch gleich wohlgefühlt. Coach Haggenmiller und Assistent Coach Joda sind ein super Team, helfen uns wo sie nur können, sind gute Ansprechpartner und gestalten nicht zuletzt auch die Trainingswoche für das Team so, dass jeder individuell und nach seinem Befinden über Trainingsinhalte entscheiden kann. Die letzte Woche hat mir einmal mehr gezeigt, dass ich mit Michigan Tech die richtige Entscheidung getroffen habe: Wir waren zwei Tage mit den Vans unterwegs ins Trainingslager nach West Yellowstone/ Montana um dort auf 2000m Höhe auf Schnee zu trainieren. Am Donnerstag, und schon 3 Tage vorher, stand das ganze Team Kopf und hat sich auf Thanksgiving gefreut. Wir haben zusammen gekocht und am Abend jede Menge Truthahn, Kartoffeln und Bohnen an einer großen Tafel verspeist. Ich habe mich wirklich sehr aufgehoben gefühlt und wie in einer Familie. Mein erstes Thanksgiving: unvergesslich!

Natürlich steht nicht nur der Sport hier im Vordergrund, sondern auch die schulischen Leistungen, so ist das nun mal. Mittlerweile habe ich mich recht gut an den Yopper- Akzent gewöhnt und komme gut klar in meinen Kursen. Anfangs gab es natürlich noch ein paar Schwierigkeiten mit der Sprache, aber ich habe gemerkt, wie es von Woche zu Woche besser geworden ist. Nach kurzer Zeit bin ich auch dahinter gestiegen, wie man sich so durch den Alltag quasselt. Ein Smalltalk hier, ein Smalltalk dort, und meistens kennt man seinen Gegenüber nicht einmal…! Der Campus ist übersichtlich und mit 7000 Studenten auch einer der kleineren Sorte. Man findet die Räume schnell und kann sich gut orientieren. Es gibt unzählige Freizeitangebote und die Uni hat sogar ihren eigenen Ski Alpin- Hang.

Dank Sport-Scholarships.com konnte ich mich richtig gut auf die Reise vorbereiten und wurde an viele Dinge erinnert, an die ich wahrscheinlich alleine nicht gedacht hätte. Mir konnte jede meiner Fragen beantwortet werden und ich habe schnell Feedback bekommen, wenn ich mir in einer Sache unsicher war. Diese Investition hat sich in jedem Fall gelohnt!

Jetzt geht unsere Saison bald los und ich bin gespannt auf die 5m Schnee die mich hier erwarten sollen. Im Januar werden wir nach Utah zu den Nationalen Meisterschaften fahren und ich hoffe auf eine Qualifikation für die NCAA Championships im März. Ansonsten erwarten mich mehrere große und kleinere Wettkampfwochenenden in der Midwest- Region auf die ich mich schon wahnsinnig freue.


Lisa