Bericht von Melissa W.

Was mache ich nach meinem Abitur?
Wie viele andere auch habe ich mir diese Frage in dem Jahr vor meinem Abitur gestellt. Mein größter Traum war, ein Studium mit meinem Sport Volleyball zu verbinden. Durch Sport-Scholarship ergab sich für mich die Möglichkeit zu einem Studium in den USA. Sie haben mir sehr geholfen bei allem was vorher erledigt werden musste, (Profil erstellen, Tests, Visum beantragen u.s.w.). Das war  manchmal echt nicht leicht, aber letzten Endes kann ich nur sagen, dass ich super stolz und froh bin das ich durchgehalten habe und meinen Traum in die Realität umgesetzt habe, obwohl es mir nicht leicht gefallen ist meine Familie und Freunde zurück zu lassen. Es gab mehrere Angebote aus verschiedenen Staaten und von unterschiedlichen Universitäten. Entschieden habe ich mich  für die University of South Alabama da ich zur Trainerin und ihrer Assistentin schon direkt ein sehr gutes Verhältnis aufbauen konnte und mir auch die geografische Lage von Mobile sehr gut gefiel. Mein erstes Jahr hier war eines der schwierigsten Jahre aber zugleich auch das schönste Jahr bisher in meinem Leben. Neben dem Heimweh und dem Druck alles Neue so schnell wie möglich aufzunehmen habe ich auch so viele schöne Orte und nette Menschen kennengelernt. Es war wirklich ein nervenaufreibendes Jahr aber es hat mir auch super viel Spaß gemacht. Als ich hier in Amerika ankam konnte ich gar nicht glauben, dass ich es nach einem Jahr harter Arbeit nun endlich geschafft hatte und wirklich in den United States war und hier nun die nächsten vier Jahre meines Lebens verbringe würde. Ohne Familie und Freunde die mir zuhause sonst immer zur Seite standen wurde mir allmählich klar, dass ich von nun auf mich allein gestellt war.
Die Universität hier gefällt mir sehr gut, da sie relativ überschaubar und der Campus sehr schön in die Natur eingepasst ist. Zu Beginn meines ersten Semesters war ich kurzzeitig etwas damit überfordert mich zurecht zu finden aber das war nach ein paar Tagen kein Problem mehr. Mit den Kursen hier an der Universität komme ich bisher sehr gut klar. Man muss viele Basic Kurse belegen was mich ein wenig stört da ich davon einige vom Gymnasium kenne aber die Kurse die ich für meinen Major brauche gefallen mir gut. Die Professoren und Hörsäle sind okay. Ich hatte eigentlich mit mehr Verständnisproblemen gerechnet da hier der „southern Accent“ sehr stark ist aber da kam ich schnell mit klar und ich kann dem Unterricht gut und ohne Probleme folgen. Natürlich hat man immer noch mal hier und da ein Wort das man nicht weiß aber das wird immer seltener.
Die ersten Tage hier in Alabama waren nicht nur sehr aufregend sondern auch sehr heiß. Das Wetter hier ist so gut wie immer sonnig und schön, auch das war eine Umstellung für mich wenn ich an das deutsche Wetter denke. Als „Freshman“  wohne ich noch bis zum Ende dieses Spring Semesters auf dem Campus in einem „Dorm“ mit drei anderen Mädchen von denen zwei aus meiner Mannschaft sind. Ich teile mir mit einer Holländerin ein Zimmer, wir haben sehr viel gemeinsam und haben oft viel Spaß. Ab dem Fall Semester lebe ich dann im „Grove“, so heißen die Apartments hier. Ich habe dann ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und Kleiderschrank über den ich mich natürlich besonders freue. Zum Essen gehen wir meist zusammen als Team in die Cafeteria die im letzten Jahr ganz neu eröffnet wurde. Auch das Essen war für mich eine riesen Umstellung, einfach alles eine Nummer größer als man es von daheim aus Deutschland gewohnt ist.
Neu hier auf dem Campus ist auch das Recreation Center das ebenfalls erst letztes Jahr fertiggestellt wurde. Da können wir nach dem Unterricht draußen am Pool liegen und relaxen oder eben auch drinnen Sport treiben wie zum Beispiel Basketball, Fußball, Klettern oder auch Tischtennis. Dort verbringe ich gerne meine Zeit mit Freunden.
Als nach meiner Ankunft im August die „Preseason“  begann musste ich mich erst mal daran gewöhnen jeden Tag zweimal zu trainieren und das jeweils fast drei Stunden. Zusätzlich zum Training haben wir auch noch drei Mal die Woche „Weight lifting“ und das auch noch morgens um 6 Uhr. Es fiel mir schon sehr schwer um 5 Uhr früh aufzustehen und Gewichte zu stemmen aber man gewöhnt sich an alles. Die Trainings-methoden sind verglichen zu meinem Coach aus Deutschland ziemlich unterschiedlich, hier arbeiten die Trainer viel mit Straf –Konsequenzen wenn man ein bestimmtes Ziel nicht erreicht hat im Training. Im Januar haben wir eine neue Trainerin und einen neuen Assistant Coach bekommen mit denen ich mich sehr gut verstehe. Genauso mit unserem Fitness Trainer.
Super gut ist hier die Professionalität der Coaches die viel Erfahrung haben. Mit meinem Team verstehe ich mich gut, natürlich muss man sich an einige Spielerinnen erst gewöhnen da hier viele Nationalitäten vertreten sind und ich mich erst an deren Kultur gewöhnen musste. Vor allem als „Freshman“ wird man im ersten Jahr sehr hart „ran genommen“ was manchmal schon etwas anstrengend und auch nervig ist da man eben das erste Jahr als „puppy“ behandelt wird.
Nach der „Preseason“ begann dann die eigentliche Saison und wir haben gegen andere College Teams gespielt. Das war sehr aufregend für mich, zuerst mal war es schon komisch für mich das hier vor jedem Spiel die amerikanische Nationalhymne gespielt wird, anfangs hab ich dabei immer Gänsehaut bekommen. Manche Regeln beim Volleyball sind hier etwas unterschiedlich aber nicht wirklich wichtige. Wenn wir Auswärtsspiele haben fliegen wir oder wir fahren mit einem großen Reisebus, da die Distanzen hier nicht mit denen von daheim zu vergleichen sind. Wie gesagt, eben alles eine Nummer größer. Die Hotels in denen wir schlafen sind super und wenn wir „on the road“ sind haben wir häufig Orte besichtigt in denen wir ein Spiel hatten. Letztes Jahr hatten wir ein Spiel in New Orleans und dort sind wir dann einen Tag länger geblieben um die Stadt zu besichtigen. Dieser Trip war bisher einer der schönsten da mir die Stadt super gefallen hat und das Hotel in dem wir gewohnt haben der Wahnsinn war.
Häufig gehen wir mit dem gesamten Volleyball Team anderen Sport Teams von unserer Uni bei deren Spielen zugucken. Am besten gefallen mir hier die Basketball Spiele da diese in einer riesen großen Halle stattfinden und dort sehr viel Entertainment geboten wird in den Pausen oder zu Halbzeiten. Auch gefallen mir die Football Spiele, die Stimmung im Stadion ist grandios und das gefällt mir noch mehr als das Spiel selbst. Einfach nur das Feeling von so einem Event ist cool.
Hier an den Universitäten in den USA sind die Student-Athletes total hoch angesehen. Uns Sportlern werden zum Beispiel extra die Stundenpläne um den Trainingsplan gelegt damit man wegen dem Unterricht auch kein Training verpasst. Was hier allerdings häufig in der Saison vorkommt ist, dass man Unterricht verpasst dadurch dass man mit dem Team zu Auswärtsspielen unterwegs ist. Natürlich sind wir Volleyballerinnen nicht so hoch angesehen wie die Football Stars aber das ist wohl keine andere Sportart hier in den United States.
Ich habe viel über mich selbst gelernt und erfahren in der Zeit in der ich nun hier bin, sei es im sportlichen Sinne auf dem Feld oder auch im Umgang mit Menschen generell. Ich kann schon sagen, dass ich mich spielerisch und auch persönlich weiterentwickelt habe. Selbst wenn einem ein Stipendium für vier Jahre zu lang erscheint, so sollte man die Erfahrungen die man hier an einer Universität  in den USA machen kann wenigstens für ein Jahr nutzen. Ich kann es wirklich nur weiterempfehlen, genauso wie das Team von „Sport – Scholarships“ ohne die ich es nicht geschafft hätte und ohne die ich nicht hier wäre. Ihr seid immer für mich da gewesen und habt Rede und Antwort  gestanden. Danke nochmal für den super Job den ihr macht.
Sonnige Grüße aus South Alabama
Melissa