Bericht von Olga K.

Was es heisst, ein Student-Athlete an einer Amerikanischen Universitaet zu sein
Ich habe im Fruehjahr 2008 auf einer Abi-Messe von sport-scholarships.com und daraufin von Sport-Stipendien in den USA erfahren und eine Einschaetzung meiner Chancen im Internet vorgenommen. Nachdem mir gute Chancen zugesagt worden waren, ein Profil erstellt wurde und ich schliesslich erste Angebote von diversen Universitaeten erhielt, habe ich mich recht schnell fuer die Longwood University in Farmville, Virginia entschieden. Der Trainer, ein Englaender, war mir auf Anhieb sympatisch und bot in vielerlei Hinsicht seine Hilfe an. Erst nachdem alle Formalitaeten abgeschlossen waren und ich die Einladung der Uni und mein Visum fuer die naechsten 4 Jahre in der Hand hielt, musste die sehr reibungslose Zusammenarbeit mit sport-scholarships.com beglichen werden.

Meine ersten Tage in den USA im August 2008 waren natuerlich voller neuer Eindruecke. Sehr bemerkenswert jedoch fande ich, wie unglaublich herzlich und offen ich von allen Seiten willkommen geheissen wurde. Nicht nur Teamkameraden und Trainer, auch Eltern und Lehrer begruessten mich mit offenen Armen.
Die ersten paar Tage bzw. Wochen (je nach Universitaet) im “Fall” (Herbstsemester), bestehen stets ausschliesslich aus Hockey. Hockey morgens, Hockey mittags, Hockey abends. Zwischendurch steht man im Kraftraum oder geht laufen. Zu jeder anderen Gelegenheit geht man schlafen oder essen. Amerikanische Manschaften legen meiner Ansicht nach einen sehr viel groesseren Wert auf Fitness und Kondition, als ich es von deutschen Mannschaften gewohnt war.

Gegen Ende August beginnt dann normalerweise das Herbstsemester, sprich das normale Uni-Leben, was bedeutet, dass das Training auf einmal taeglich, 6 Tage die Woche reduziert wird; zusaetzlich gibt es zweimal die Woche Krafttraining. Die Saison spielt sich zwischen Ende August und Anfang November ab, in der man bis zu drei Spiele die Woche hat und ausserdem viel am umherreisen ist. Bei einem Vollstipendium wird dabei fuer jegliche Kosten aufgekommen; von kompletter Hockey-Ausstattung, ueber einen (in meinem Fall) neuen Adidas Kleidungsbestand, bis zu voller Verpflegung und Unterkuenften. Im weiteren wird natuerlich auch an der Uni fuer Essen, Buecher, Kurse usw. gezahlt.
Die Spielweise ist in Amerika auch etwas anders, man legt andere Schwerpunkte, aber daran gewoehnt man sich recht schnell, genauso wie an die Sprache. Viele Lehrer nehmen grosse Ruecksicht, wenn Missverstaendnisse bezueglich der Sprache bestehen und davon abgesehen, werden in den ersten Semestern meist die leichteren Kurse belegt.
Da ich mich fuer eine recht kleine Universitaet entschieden hatte (etwa viereinhalb tausend Studenten), verlief der Unterricht zum groessten Teil sehr persoenlich und vertraut. Von insgesamt etwa 40 belegten Kursen, wussten die Professoren in wahrscheinlich 38 davon meinen Namen, meine Herkunft, dass ich Hockey spiele usw. Dies ist an einer weitaus groesseren Uni natuerlich nicht zwangslaeufig der Fall. Es fuehrte jedoch dazu, dass ich quasi jederzeit Kontakt zu meinen Professoren aufnehmen konnte, wenn ich Hilfe benoetigte oder Fragen hatte. Ein durchschnittlicher Kurs bestand aus etwa 20 bis 25 Studenten.

Kulturell unterscheidet sich die USA natuerlich auch sehr von Deutschland, was seine Vorzuege, aber natuerlich auch Nachteile haben kann. Bei Walmart kriegt man alles, von Donuts ueber Aspirin und Autoreifen, in jedem Restaurant gibt es “free refills” fuer alle Getraenke. Auf der anderen Seite habe ich Dinge wie kulturelle Unterschiede innerhalb des Landes und die hier allzu oft als selbstverstaendlich angesehen Freiheiten eines “normalen Teenagers” vermisst. Ausserdem werde ich nie verstehen, warum man bei einem Dinner zu sechst von Papptellern essen muss...

Das Fruehlingssemester ist meist etwas anders gestaltet: Man trainiert nur 4 bis 5 mal die Woche, hat dafuer 3 mal Krafttraining. Es wird mehr Wert auf Fitness und individuelle Verbesserung gelegt, waehrend man sich im Herbst ganz auf das “Team” konzentriert.

In meinem letzten Jahr war ich Vize-Kapitaen und eine der aeltesten in der Mannschaft. Freshmen (im ersten Semester) sahen mich als eine Art “rolemodel”an, insofern als dass internationale Spieler ohnehin meist zu den technisch gesehen besseren Spielern gehoeren, allein wegen der Tatsache, dass der durschnittliche Amerikaner in seiner Kindheit bis zu vier Sportarten gleichzeitig betreibt und sich meist erst mit etwa 14 bis 16 Jahren endgueltig fuer einen Sport entscheidet. Ich verliess die Universitaet und Mannschaft mit dem bisher besten “end of season”-Ergebnis, und erhielt mehrere individuelle und manschaftliche Auszeichnungen, auf welche in den USA sehr grossen Wert gelegt wird.

Natuerlich hatte ich zu einigen Zeitpunkten Zweifel und war nicht immer ueberglucklich, aber im Grossen und Ganzen bin ich zu 100% gluecklich und zufrieden, die Entscheidung, nach Amerika zu gehen und nach einem Jahr auf 3 1/2 Jahre zu verlaengern, getroffen zu haben und wuerde es jederzeit wieder tun. Ich habe einen Bachelor in Psychologie, habe mich als Hockeyspielerin weiterentwickelt und eine ganze Welt neuer Freunde kennengelernt. Jedem, dem Englisch nicht allzu schwer faellt und dem Hockey wirklich am Herzen liegt und dafuer bereit ist, eine Menge Aufwand zu betreiben und es aushaelt, nur 2 mal im Jahr nach Hause zu fliegen, kann ich diese Gelegenheit nur empfehlen!