Bericht von Rabea S.

1, 2, 3—Go Ducks!

 

Als ich 2010 mein Studium an der University of Oregon begann, dachte ich noch, dass vier Jahre niemals vorbeigehen würden. Im Dezember 2013 frage ich mich, wo die ganze Zeit geblieben ist.

 

Wenn ich zurückdenke an alles, was in den letzten 3,5 Jahren passiert ist, ist es kein Wunder, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Man hört nie auf neue Orte zu sehen, neue Leute kennenzulernen, sich sportlichen Herausforderungen zu stellen und für seine akademischen Ziele zu arbeiten. Obwohl die Anforderungen hoch sind—und manchmal unüberwindbar erscheinen—habe ich es nie bereut mich für diesen Weg entschieden zu haben.

 

Mein Coach, Paul Reber, hat mir von Anfang an erklärt, dass das Studentenleben drei Seiten hat: Sport, Uni und Spaß. Als Sportler muss man sich für zwei Dinge entscheiden, wenn man Erfolg haben will. Die Wahl fiel nicht schwer. Natürlich war ich manchmal neidisch auf Freunde, die nicht regelmäßig morgens um 6 Uhr trainieren müssen und nicht bis nachts am Schreibtisch sitzen. Nichtsdestotrotz sind die Erfahrungen, die ich gemacht habe, unbezahlbar.

 

Bereits vor Beginn meines Studiums wusste ich, dass ich Journalistin werden möchte. Allerdings bekam ich auch schnell Freude an Design, weshalb ich mich für einen double Major in Journalismus und Advertising entschied. Die englische Sprache war für mich nie ein Problem, da ich ein bilingual englisches Abitur gemacht habe. Allerdings sollten selbst junge Sportler, die Englisch nicht als ihre Stärke bezeichnen würden, keine Angst vor diesem Schritt haben, da die Sprache durch den täglichen Gebrauch schnell besser wird. Außerdem sind hier so viele internationale Studenten, dass Unterstützung, sowohl von Professoren, als auch von anderen Studenten als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Da ich schon immer sehr an Sprachen interessiert war, entschloss ich mich außerdem einen Minor in Französisch sowie in Digitalen Medien zu verfolgen. Ein sehr gutes Abitur ermöglichte es mir Studentin im Honors College zu werden. Das Honors College ist ein extra Programm der Universität für die leistungsstärksten Studenten aus allen Fachbereichen. Ich bin zweifellos mehr als beschäftigt mit meinen Kursen, was aber auch einfach daran liegt, dass ich mir sehr viel vorgenommen habe. Jeder kann für sich selbst entscheiden und herausfinden, wie viele Kurse er belegen kann und möchte, damit aus der Herausforderung keine Überforderung wird. Ich bin immer noch fasziniert von dem lockeren Umgang der Professoren mit den Studenten. Meine Professoren zeigen stets Verständnis für meine sportlichen Verpflichtungen und helfen mir versäumtes Unterrichtsmaterial aufzuarbeiten.

 

Wer sich sportlich weiterentwickeln möchte ist in den USA definitiv richtig aufgehoben. Das Gesamtpaket ist einfach super: Mir stehen zwei Tennis Coaches, ein Weights- und Conditioning Coach, Ernährungsberater, Sportpsychologen, Nachhilfelehrer und Physiotherapeuten zur Verfügung. Ich habe das Gefühl, dass ich hier das Maximale aus meinem sportlichen Potential herausholen kann. Was mir jedoch am besten gefällt, ist, dass der Teamgedanke immer im Vordergrund steht. Ich trainiere und kämpfe nie nur für mich allein und kann mich immer auf die Unterstützung von neun anderen Mädels verlassen. Das Team ist zu meiner zweiten Familie geworden.

 

 Im Herbst trainieren wir sehr viel und spielen ein paar Turniere. Die eigentliche Saison beginnt im Januar und endet im Mai. Jeder, der eine Saison gespielt hat, weiß, warum es sich lohnt im Herbst so hart zu arbeiten. Abgesehen davon, dass ich mich spielerisch sowohl im Einzel als auch im Doppel verbessert habe, macht es einfach Spaß mit dem Team zu reisen und so viele unterschiedliche Städte zu sehen. Meine persönlichen Highlights sind die Matches in Stanford, Los Angeles, San Francisco, Las Vegas und San Diego. Persönlich hatte ich allerdings leider seit meinem ersten Jahr viel Pech mit Verletzungen. Trotz der sehr guten medizinischen Betreuung ist es oft schwer genügend Zeit zur Regeneration zu haben. Die Uni investiert sehr viel in ihre Sportler und deshalb heißt es dann oft einfach Zähne zusammenbeißen.

 

Alles in allem muss ich sagen, dass die positiven Erfahrungen im Sport sich auf alle Lebensbereiche ausgewirkt haben. Ich habe gelernt organisiert und diszipliniert zu arbeiten. Im Laufe der Jahre durchläuft man unterschiedliche Positionen im Team und lernt ein Beispiel für die jüngeren Spieler zu sein. Man lernt mehr Verantwortung zu übernehmen und sein Team jederzeit vorbildlich zu repräsentieren. Ich habe das Glück Mädels aus aller Welt in meinem Team zu haben, von Neuseeland über Südafrika bis Schweden, wodurch ich gelernt habe anderen Perspektiven und Kulturen offen gegenüberzustehen. Die Freundschaften bleiben auch über die Studienzeit hinaus bestehen, weshalb beispielsweise eine ehemalige australische Teamkollegin jetzt in Deutschland arbeitet.

 

Mein Studium in den USA hat mich definitiv sehr geprägt und verändert. Es war eine beeindruckende Erfahrung, für die ich immer dankbar sein werde.