Bericht von Raffaela W.

Hallo liebes Sport-Scholarship.com Team,

 

Vor ziemlich genau zwei Jahren kam mir die Idee, irgendwann während meines Studiums an der Technischen Universität in München, ins Ausland zu gehen.

Zuerst dachte ich über einige Austauschprogramme nach, bis ich dann von Freunden erfuhr, dass selbst Athleten, die nicht in einem deutschen Bundeskader sind, gute bis sehr gute Chancen auf ein Stipendium in den Vereinigten Staaten haben. Ich informierte mich sofort im Internet.

Über Google bin ich zuerst auf sport-scholarships.com gestoßen. Sofort habe ich eine Chancen Schätzung abgegeben. Ich bin Speerwerferin der LG Stadtwerke München und war leider zwei Jahre verletzungs- und krankheitsbedingt etwas „Weg vom Schuss“. 2012 konnte ich mich dann mit 47,87m wieder ganz gut in die deutsche U23 Klasse zurückkämpfen und war unter anderem auch bayerische Juniorenmeisterin.

Sport-scholarships.com antwortete mir prompt, dass sie sehr große Chancen für ein Stipendium in den USA sehen. Wir vereinbarten einen telefonischen Termin, bei dem auch meine Eltern mit dabei sein sollten um finanzielle Hürden abzuklären, aber auch um ihnen die Angst ein wenig zu nehmen, wenn die Tochter für ein Jahr in das große weitentfernte Land und somit ins „Ungewisse“ zieht.

Die Mitarbeiter von sport-scholarships.com standen für sämtliche Fragen zur Verfügung und erzählten uns viel über ihre eigenen Auslandsaufenthalte und über all jene Dinge, die für die Bewerbung notwendig sind. Ich sollte ein Profil erstellen mit all meinen Erfolgen, sowie Videos und Fotos hochladen. Zudem sollte ich ein kurzes Bewerbungsvideo drehen, indem ich mich kurz vorstelle und die Gründe für meine Entscheidung, ins Ausland zu gehen, aufweise.

Kaum war das Profil erstellt und meine Seite online, kamen in kürzester Zeit 15 Anfragen von Coaches,  verteilt in den ganzen Staaten.

Ich habe mich mit den Coaches über E-Mails unterhalten und mich dann mit den Mitarbeitern von sport-scholarships.com nochmal abgesprochen, welche Universitäten denn am ehesten zu mir passen könnten.

Der Grund warum ich letztendlich an die Unversity of Nevada, Reno ging, war schlicht und einfach, dass das Sport Team in der Division 1 und somit in der höchsten College Liga mitgemischt hat.

Außerdem war die Lage für mich sehr wichtig. Ich dachte mir, wenn ich einmal so weit von zu Hause entfernt bin, muss es mir auch landschaftlich zusagen und es sollten ein paar Attraktionen in der Nähe liegen.  Mit weniger als 30 min zum wunderschönen Lake Tahoe (Baden im Sommer und Ski fahren im Winter) sowie 20 min nach Kalifornien und 3,5 Stunden nach San Francisco kam mir der Norden Nevadas gerade Recht. Als dann alles endlich abgesegnet war, ich das I 20, mein Visum und meine Flugunterlagen in den Händen hielt, war es ein Wahnsinnsgefühl der Erleichterung. So viel Stress in wenigen Wochen hatte ich definitiv noch nie, da ich ja auch noch Prüfungen an der deutschen Uni hatte.

Mit den Mädls aus meinem zukünftigen Leichtathletik Team nahm ich schon Kontakt auf,  bevor ich die Reise antrat. Ich war von Anfang an begeistert wie freundlich sie waren und wie sie mir für alle Fragen zur Verfügung standen.

Als sich dann gleich noch eine WG mit drei Mädls aus meinem Team aufgetan hat, war ich hellauf begeistert, besser hätte es für mich nicht laufen können.

Der Tag des Abflugs war absolut stressig, es musste schnell nochmal alles überprüft werden, damit auch ja nichts Wichtiges vergessen wird.

Die Verabschiedung am Flughafen war sehr tränenreich. Vor allem meine Mama war sehr besorgt, ob denn alles so läuft wie ich mir das vorstelle.

Nach insgesamt 20h, 3 Flügen, 1,5h Wartezeit in Philadelphia bei der Einreise und einer Zeitverschiebung von 9h, wurde ich am Flughafen in Reno abgeholt und kam dann um Mitternacht in meinem neuen Zuhause, also  im Haus meiner drei Mädls, an. Ich hätte mir keine freundlichere und herzlichere Begrüßung vorstellen können. Im Flur hingen die amerikanische, die kanadische und  die deutsche Flagge, abgestimmt auf unsere Herkunft. Es wurde eine aufblasbare Matratze in meinem Zimmer vorbereitet und sämtliche Utensilien, die man für die ersten paar Nächte braucht, waren auch bereitgestellt.

Die kommenden Wochen waren aufregend und kräftezehrend. Das Training auf fast 1.500 m raubt einem förmlich den Atem. Die ersten Trainingseinheiten waren enorm anstrengend, aber der Körper passt sich Gott sei Dank sehr schnell an eine derartige Klimaänderung an. 3x um 6 Uhr in der Früh Krafttraining war für mich neu und überhaupt standen 9 Trainingseinheiten bisher nie auf meinem wöchentlichen Trainingsplan. Der Muskelkater war daher jede Woche vorprogrammiert. Kommunikationsschwierigkeiten gab es eigentlich so gut wie nie. Die Amerikaner haben eine sehr offene und lustige Art und versuchen einem alles so deutlich und anschaulich wie möglich zu erklären und zu vereinfachen, sollte man einmal etwas nicht verstehen. Ich war sofort begeistert von dem Campus der University of Nevada, die Backsteingebäude haben es mir vom ersten Tag an angetan. Die Library ist ein Meisterwerk und mit neuester Technologie ausgestattet.

Was mich aber besonders faszinierte, war dieser Teamgeist. Ist man Student der University of Nevada, ist man gleichzeitig ein Teil des Wolfpacks, so nennt sich das Sport Team der Universität. Mit Sportklamotten am Campus rumzulaufen, ist dort das normalste der Welt.

In Deutschland ist Leichtathletik eine Einzelsportart. Viele Top Athleten trainieren alleine, folgen speziellen auf den einzelnen zugeschnittenen Trainingsplänen und sind auf die eigenen Ziele fokussiert.

In Amerika trainiert man im Team. Das Team zählt, das Team trainiert zusammen und jeder pusht sich, sei es im Kraftraum, bei Treppenläufen, Bergläufen oder Zugwiderstandsläufen. Ich persönliche fühlte mich von Anfang an wohl und willkommen im Team.

Die Mädls waren absolute Spitze auch was Freizeitbeschäftigung anging. So fuhren wir mehrfach an den wunderschönen Lake Tahoe im Süden von Reno. Das türkisblaue Wasser erinnert an einen Luxusurlaub in der Karibik oder auf den Seychellen. Viele Reiche haben hier ein Haus am See und kommen über die Sommermonate, um dort Urlaub zu machen. Auch im Winter ist das Gebiet rund um den Lake ein absolutes Paradies. Ski fahren mit dieser Art von Pulverschnee ist ein Traum. Eine Familie lud mich für ein Wochenende in das wunderschöne Skigebiet Heavenly ein und ich bekam die gesamte Skiausrüstung ausgeliehen.

Die Nähe zu San Francisco nutzte ich natürlich auch aus. Die Mädls aus meinem Team fuhren mit mir mehrmals in die City und zeigten mir die schönsten Plätze der Stadt. So durfte ich mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge nach Sausalito und mit dem Boot wieder zurückfahren, durfte über Thanksgiving mit in die Stadt und zu einem Giants Baseball Game fahren. Zudem lernte ich viele kleine Städtchen in der Bay Area kennen und konnte die Familien meiner Sportskolleginnen besuchen. Eine der Familien nahm mich außerdem mit nach Santa Cruz, was ein absolutes Paradies für Surfer ist. So versuchte auch ich mich an der doch sehr schwierigen Sportart, wie sich herausstellte. Ich hatte bei all den Ausflügen einen Heidenspaß und war sehr dankbar für die Gastfreundschaft der Amerikaner.

Spannend wurde es natürlich dann, als Mitte März endlich die Saison losging. Von Sacramento bis Berkeley, von LA bis Stanford: Die Wettkämpfe waren meist in Kalifornien und des Öfteren durften wir mit dem Flugzeug anreisen.

Ich konnte so viele Eindrücke sammeln, und so viele tolle Sportler kennenlernen und gegen sie antreten. Eine komplette Woche wurde ich sogar als Star of the Week  auf der Homepage angepriesen, nachdem ich den Wettkampf in Berkeley gewonnen hatte.

Die Mountain West Conference Championships in Laramie, Wyoming, waren dann das erste große Highlight der Saison. Mit 47,56m und somit Saisonbestleistung und dem zweiten Platz konnte ich den Wettkampf zu aller Zufriedenheit meiner Trainer abschließen und war beste Athletin des Track and Field Teams der University of Nevada, Reno. Dieses Ergebnis sicherte mir auch das Ticket nach Fayetteville in Arkansas, wo die besten Athleten des westlichen Teils Amerikas gegeneinander antraten und sich die Tickets nach Eugene, Oregon erkämpften, wo jedes Jahr die nationalen College Titelkämpfe ausgetragen werden. Als 17. des 48 „Frau“ starken Feldes, scheiterte ich nur ganz knapp, denn nur die Top 12 wurden nach Eugene eingeladen.

Rückblickend war das Jahr definitiv DAS Jahr meines Lebens und ich würde allen Sportlern, vor allem denen, die vielleicht nicht ganz oben in Deutschland stehen, sondern zum großen Mittelfeld gehören, empfehlen sich über ein Stipendium in den USA zu informieren.

Man lernt so unheimlich viele tolle Menschen kennen, außerdem wird man selbst erwachsener und reifer. Die englische Sprache ist ganz nebenbei zu meiner zweiten Muttersprache geworden, denn Deutsche gab es nicht im Team.

Studieren in den Staaten ist eigentlich sehr teuer. Da ich nahezu ein Vollstipendium hatte, war es für mich allerdings billiger als in Deutschland.

Der Grund, warum ich nach einem Jahr wieder nach München zurück wollte, war ein ganz einfacher: Als Transfer Student müssen einem einige Credits von der deutschen Uni an der ausländischen Uni angerechnet werden. Hier gab es schon das erste Problem, da es keinen Studiengang gab, der ähnlich zu meinem war. Mein Bachelor Abschluss an der University of Nevada hätte sich somit noch über mindestens 2,5 Jahre gezogen, während ich an der TU München noch maximal ein Jahr benötige, um abzuschließen. Ich hätte sehr gerne noch ein weiteres Jahr in Nevada angehängt, nichts desto trotz werde ich diese Erfahrungen nie vergessen und mit meinen amerikanischen Freunden so oft es geht  telefonieren, skypen etc. und wir werden uns gegenseitig besuchen.

Traut euch! Die Chancen stehen gut und das Gefühl an einer Universität zu studieren, an der Sport einen derartig hohen Stellenwert einnimmt und man als Athlet zur absoluten Top Elite zählt, ist absolut toll!!!

Sport-scholarships.com steht euch auch während des Auslandsaufenthalts jederzeit für Fragen zur Verfügung. Mit dieser Unterstützung kann eigentlich gar nichts schief gehen!

 

Eure Raffaela, Javelin Thrower at the University of Nevada, Reno