Bericht von Raphael S.

Portales – am anderen Ende der Welt

 

Mein Name ist Raphael, ich komme aus Berlin, bin 19 Jahre alt und studiere seit August 2013 in Portales, New Mexico an der Eastern New Mexico University. Es ist eine sehr kleine Stadt mit rund 15.000 Einwohnern. Ich bin Fussballer, spiele somit für das Soccer-Team der University. ENMU ist eine Division II Universität. Ich spiele Innenverteidiger oder 6er, habe beide Position etwa gleich häufig in meiner Karriere immer wieder wechselnd gespielt.

Ich bin mittlerweile jetzt seit fast 4 Monaten hier und bin alles in allem sehr zufrieden mit meinem Leben hier und würde jedem dazu raten, der die Möglichkeit hat dasselbe zu machen, dieses auch durchzuziehen. Du lernst neue Leute kennen, setzt dich mit einer anderen Sprache auseinander, welche dir viele Vorteile bringen wird im späteren Leben, wenn du diese nach 1-2 Jahren sehr gut sprichst und du spielst für eine amerikanische Universität, wodurch du in mehrere Bundesstaaten reist, was mehr als aufregend ist.

Im ersten Jahr ist es verpflichtend, dass du auf dem Campus lebst in einer sogenannten Hall mit den ganzen anderen Erstsemestlern. Viele in meinem Team sind Freshman, aber die meisten hatten wie ich einen non-athlete als Zimmerkumpel. Ich hatte leider einen sehr eigenartigen Mitbewohner abbekommen. Deshalb habe ich vor ca. 1 Monat den Raum wechseln können und bin zu dem anderen Deutschen in meinem Team gekommen, was sehr viel entspannter und lustiger ist, weil es einfach auch entspannter ist frei drauf los mit jemandem zu reden in seiner Muttersprache. 

Die Universität im Allgemeinen ist nicht die größte mit rund 5000 Studenten, somit ist der Campus auch nicht unendlich groß. Die ganzen Gebäude sind schnell und gut zu erreichen und es ist auch alles relativ neuwertig eingerichtet. Die Kurse sind vom Niveau unfassbar niedrig, es war wirklich sehr überraschend. Mit dem deutschen Abitur bist du den Amerikanern 1-2 Jahre voraus, wie ich das hier so erlebe und einschätzen kann. Wahrscheinlich wird es noch schwieriger in den kommenden Semestern, weil du in dem ersten Jahr nur Basiskurse wählst, Kurse wie Freshman Seminar, welches dir helfen soll mit den neuen Aufgaben, die auf dich als Student zukommen, zurecht zu kommen (Time-Management, Money-Management usw.).

Die Saison ist leider schon vorbei, denn die geht hier nur von September bis November. Bei uns bestand sie aus 18 Spielen und du spielst mehrmals die Woche. Neben New Mexico hatten wir Spiele in Texas, Colorado, Kansas und Oklahoma. Diese Zeit ist sehr stressig, da du eigentlich jeden Tag Training hast außer einen freien Tag am Wochenende und dazu noch Dinge wie Hausaufgaben erledigen musst. Trotzdem war die Saison an sich viel besser als ich es mir vorgestellt habe. Selbst in der Division II hatten wir Spiele mit ca. 300-400 Zuschauern, wobei ich hinzufügen muss bei unseren Heimspielen hatten wir maximal 50 Zuschauer. Es war einfach unfassbar aufregend für mich auf dem Platz als Deutscher in Amerika für eine Universität zu spielen. Vor jedem Spiel die Nationalhymne und auch sonst war alles sehr professionell bei den Spielen. Wir haben immer in sehr noblen Hotels übernachtet und sind bei mehrtägigen Aufenthalten pro Tag 2 Mal ins Restaurant gegangen. 

Ich habe in Berlin 5 Jahre am Stück für Hertha 03 Zehlendorf leider nur Regionalliga gespielt (direkt unter Bundesliga) und nie Jugend-Bundesliga, bin u.a. aber aufgestiegen in die U17-Bundesliga als Kapitän. Nur damit ihr wisst welches Niveau ich in etwa habe wenn ich jetzt mein Niveau mit dem hier in der DII vergleiche.

Also das Niveau in der Division II ist höher als ich erwartet habe. Natürlich hast du paar Mannschaften die relativ locker auch 4:0 geschlagen werden, aber das ist die Ausnahme. Die 2-3 besten Teams könnten um die ersten Plätze in der U19-Jugend Bundesliga mitspielen. Wir waren relativ gut (Bilanz: 9-4-5). Es ist schwer das Niveau zu vergleichen mit Jugendfußball in Deutschland, da es eher Männerfußball ist von der Spielweise. Ohne uns zu überschätzen denke ich, dass wir in der U19-Bundesliga sicheres Mittelfeld gewesen wären.

 Ich war am Anfang leider immer wieder verletzt wodurch ich nie 2 Wochen am Stück trainieren konnte. Habe dann am 11. Spieltag das erste Mal von Anfang an gespielt und bin auch für die letzten 7 Spiele in der Stammelf geblieben. Eigentlich wurde ich als IV rekrutiert, da das bei Sport-Scholarships so angegeben war, denn ich hatte mein letztes Jugendjahr nur IV gespielt. Der Trainer wollte mich aber lieber als DM, nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich diese Position genauso spielen kann und diese mir besser gefällt.

Der Fußball hier ist viel physischer und eher auf Härte ausgelegt als der deutsche Fußball, der sehr technisch ist mittlerweile. Um es einfacher auszudrücken, es ist mit dem englischen Fußball zu vergleichen. Die Schiris, manchmal mit sehr eigenartigen Entscheidungen und allgemein teils nicht auf dem allerhöchsten Niveau, lassen sehr viel durchgehen. Da der Fußball sehr auf Physis basiert, sind viele der Spieler hier groß gewachsen und stämmig. Ich bin 1,86m und habe teilweise gegen Mannschaften gespielt wo ich, bedingt durch mein Gewicht von nur ca. 72kg, zu den kleinsten und physisch schwächsten gezählt hätte. Zum Vergleich in Deutschland war ich immer einer der zweikampfstärksten auf dem Feld und hatte dort immer Vorteile. Ein Faktor, der beachtet werden sollte ist, dass viele in deinem Team sowie den Gegnern natürlich schon zwischen 21-24 Jahre alt sind, da eher die älteren im Team die Stammspieler sind. Somit sind diese dann auch nochmal ein bisschen weiter im Körperbau als ein Freshman wie ich. Also es ist nicht leicht als Freshman in die Stammelf zu kommen, da der Trainer natürlich die älteren schon länger kennt und genau weiß was diese können und mehr Erfahrung haben.

Die Mannschaftskameraden sind allgemein sehr nett und nehmen dich gut auf. Jedoch waren wir zwei Deutschen in den ersten Wochen bei Gesprächen am Essenstisch, beim Training oder sonst wo nicht so richtig dabei und involviert, was aber ganz normal ist, da die Sprachprobleme am Anfang schon enorm sind. Dein Schulenglisch hilft dir da nicht viel, da Jugendliche natürlich anders reden als es in der Schule beigebracht wird. Mittlerweile ist das eigentlich kein Problem mehr, wobei ich sagen muss, dass ich nach den 4 Monaten noch einiges davon entfernt bin fließend zu sprechen.

Der Trainer ist allgemein sehr freundlich und hilft dir falls du Fragen hast in deinen ersten Tagen. Jedoch ist das Training sehr eintönig in meinem Fall, die Trainingsformen sind sehr einfallslos und es ist eigentlich immer das gleiche. Habe auch mit paar Briten in meinem Team darüber geredet, die schon länger hier sind, welche das gleiche sagen und es anders kennen aus England. Das Niveau des Trainers wird aber von Uni zu Uni unterschiedlich sein, es gibt solche und solche. Insgesamt bin ich auch zufrieden mit ihm, der weiß schon was er tut und kann dir auch noch paar Sachen beibringen.

            Die Gespräche für die nächste Saison hatten wir direkt nach Saisonende mit dem Coach, wo er kurz deine persönliche Leistung zusammengefasst und je nach deinen Leistungen hat er dir die Höhe deines Stipendiums für das nächste Jahr mitgeteilt. Er war mit mir zufrieden und somit bleibt das Stipendium das Gleiche. Viele meiner Mitspieler haben etwas abgezogen bekommen, was aber auch von Uni zu Uni natürlich anders ist.

            Ich bin relativ sicher bezüglich meiner Zukunftspläne. Ich werde für ein zweites Jahr zurückkommen, weil ich die Saison nochmal erleben und spielen will, denn hatte die Hälfte dieser Saison verpasst. Werde dann im Dezember wahrscheinlich abbrechen und nach Deutschland zurückkehren, wo ich mir dann Gedanken um meine Zukunft machen werde. Denn nach Weihnachten trainierst du nur noch und hast ein paar Freundschaftsspiele, was nicht allzu aufregend wird.

            Ich hatte von vornherein eher geplant nur 1-2 Jahre in den USA zu studieren. Viele denken vielleicht das wären dann doch verschwendete 2 Jahre ohne Abschluss o.ä. zurück zu kehren. Mein Plan war es aber nach dem Abitur einfach was zu erleben, Erfahrungen zu machen, Englisch zu lernen und einfach erstmal aus Deutschland raus. All das hab ich dann nach dieser Zeit erlebt. Und dann habe ich mit meinem guten Englisch viel mehr Möglichkeiten bezüglich Jobkarriere, Englisch zu beherrschen ist so wichtig und öffnet dir viele Türen.

            Dazu kommt: Ich komme aus Berlin und kann deshalb in solch einer kleinen Stadt nicht länger als 2 Jahre leben, denn bereits nach 1 Monat kennst du jede Straße und jeden Laden und auf Dauer ist es dann irgendwann immer der gleiche Tagesablauf. Das wäre dann verschwendete Zeit aus meiner Sicht 4 Jahre hier zu verbringen. Ich bin vor paar Tagen aus Houston zurück gekehrt. Dort war ich bei einem Onkel eines Schotten in meinem Team während Thanksgiving. Und gehe während der Weihnachtspause nach San Antonio mit einem Kumpel aus meiner Mannschaft. Ich bin der einzige Ausländer, der nicht nach Hause fliegt, weil es erstens teuer ist und zweitens ich kein Heimweh habe und in dem Monat in San Antonio weiter Englisch lernen werde und eine neue Großstadt kennen lernen werde.

            Mit dem Service von Sport-Scholarships war ich rundum zufrieden. Falls du Fragen hattest, haben sie dir immer ausführlich geantwortet und wussten auch immer die passenden Antworten auf deine Fragen. Es ist meiner Meinung nach die beste und größte Organisation in Deutschland in diesem Bereich, der Service war wirklich perfekt und erfolgreich. Das Einzige ist vielleicht, dass man kein Zugriff auf sein Profil hat (mir wurde netterweise ein Screenshot geschickt), aber ich konnte z.b. nie sehen was im Endeffekt aus meinen Videos geworden ist, also wie es geschnitten wurde und welche Teile die Trainer zu sehen bekommen haben.

 

Auf den Bildern gegen das gelbe Team (Midwestern State, eines der beiden besten Teams der Conference) kann man die physische Stärke gut erkennen der gegnerischen Spieler als ein Beispiel.