Bericht von Svea B.

Den Traum in Amerika die Schule oder das College zu besuchen hatte ich, laut meiner Familie, bereits als ich jünger war. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Traum nun leben darf.

2014 bin ich auf das Hockey Showcase von Sport Scholarships aufmerksam geworden und habe dann in meiner Heimatstadt Bremen daran teilgenommen. So konnte ich mit Coaches von verschiedenen amerikanischen Universitäten in Kontakt treten. Anschließend wurde dieser Kontakt durch Skypegespräche oder E-Mails aufrechterhalten. Ich habe mich dann letztendlich für die University of Connecticut entschieden. Doch bevor es an der Uni losging, habe ich nach meinem Abi 2015 noch ein „Gap year“ gemacht. In dieser Zeit bin ich unter anderem für ein paar Monate durch Australien und Neuseeland gereist.

Anfang Juli 2016 bin ich dann zu Uconn geflogen und habe zusammen mit einer aus meinem Team Summer School Kurse belegt. Für ungefähr einen Monat hatten wir zwei intensiv Uni Kurse. Neben den Kursen konnten wir uns schon gleichzeitig an die neue Kultur und den riesen großen Campus gewöhnen. Auch haben wir erste Freundschaften knüpfen können. Anfang August traf dann auch der Rest der Mannschaft ein und es ging mit der Vorbereitung, der sogenannten „preseason“ los. Auch wenn es zu Beginn immer einen anstrengenden Fitnesstest gibt, ist die Freude dann umso größer, sobald man die neue Hockeyausrüstung und Sportbekleidung ausgehändigt bekommt. Wir sagen dazu immer, dass es wie eine zweite Weihnachtsbescherung ist. In der Preseason hat man mehrmals am Tag Training. Bei heißem Wetter ist dies zwar teilweise sehr anstrengend, aber zusammen mit dem Team übersteht man auch das. Für Hockeyverrückte, so wie mich, ist es ein wahres Vergnügen so viel Hockey zu spielen. Außerdem lernt man in dieser Zeit das Team super kennen. Man braucht also keine Befürchtungen zu haben, dass man keine neuen Freunde findet, denn man hat sofort über 20 beste Freundinnen, die wie eine Familie sind. Auch mit den Coaches haben wir jede Menge Spaß im Training. Aber wenn es darauf ankommt sind wir fokussiert. Die Vorbereitung dauert ca. 2-3 Wochen und danach fängt auch schon die richtige Saison an und auch die Uni geht los. Dann haben wir meistens freitags und sonntags ein Spiel und trainieren jeden Tag außer montags. Zu den Spielen müssen wir teilweise fliegen, weil sie weiter weg sind. Zum Beispiel hatte ich mein erstes Spiel in Kalifornien gegen die Stanford University. Wir sind auch zu einem Spiel nach Michigan gereist und haben dort das zweit größte Stadion der Welt gesehen. Solche Trips mit dem Team machen immer riesigen Spaß. Allgemein sind die Sportbedingungen in Amerika super professionell. Die ärztliche Unterstützung ist sehr gut. Man bekommt von allen Seiten Hilfe und selbst unsere Sportwäsche wird gewaschen und hängt am nächsten Tag wieder in der Umkleide.

Neben dem Hockey muss man natürlich auch noch zur Uni. Ich belege meistens so 4-5 Classes. Da ich am Anfang noch nicht genau wusste was ich studieren wollte, habe ich Kurse aus unterschiedlichen Bereichen belegt. Ende meines zweiten Jahres musste ich mich dann aber entscheiden und habe mich letztendlich für den Studiengang Sportmanagement mit einem Unterkurs in Psychologie beworben. Die Größen der Classes sind ganz verschieden. Mal sitzt man in einer großen Vorlesung, manchmal hat man eine Class mit ca. 20 Leuten. Oft sind in den Kursen auch andere Sportler oder welche aus dem eigenen Team. Dann ist es umso lustiger. Wenn man in einem Fach Probleme hat wird Nachhilfe angeboten, was echt super und äußerst hilfreich ist.

Insgesamt verlief meine erste Saison ziemlich gut. Wir sind in unserer Region Big East Champion geworden und sind anschließend bis zu den Final Four gekommen. Leider hat es damals nicht ganz gereicht und wir haben knapp im Halbfinale verloren. Dafür lief es letzte Saison besser und wir sind endlich National Champion geworden. Das ist echt einer der besten und unvergesslichsten Momente in meinem Leben. Man trainiert jeden Tag so fleißig und das es sich dann am Ende ausgezahlt hat ist einfach unfassbar.

Nach den Final Four gibt es dann immer eine wohl verdiente Thanksgiving Pause. Da ich selbst keine Familie in Amerika habe, wurde ich von Familien aus meiner Mannschaft eingeladen. Das traditionelle Thanksgiving Essen und die verbrachte Zeit mit den Familien geben einem tolle Erfahrungen mit auf den Weg. Doch nach den einwöchigen Ferien muss für die letzten paar Wochen noch einmal ordentlich für die Uni gelernt werden, bevor es nach Hause geht. Es ist echt super, dass man für fast einen ganzen Monat nach Hause kann, um Weihnachten und Silvester mit Familie und Freunden feiern zu können. Aber nach einem Monat zuhause freut man sich dann auch wieder auf seine amerikanischen Freunde. Mitte Januar geht es dann wieder mit der Uni und Training los. Im Spring haben wir nur montags, mittwochs und freitags Training dafür ist das Kraft- und Lauftraining dann intensiver. Zusätzlich haben wir auch noch Hockey Trainingseinheiten in kleinen Gruppen oder ganz alleine, um sich technisch weiter zu entwickeln. Da wir in Connecticut oft sehr viel Schnee bekommen, ist die Freude riesig, wenn deswegen die Uni ausfällt und man einfach mit seinen Freunden den ganzen Tag was machen kann. Generell hat man im Spring mehr Zeit, besonders an den Wochenenden. Ich mache dann viel zusammen mit meinem Team. Bei gutem Wetter fahren wir ab und zu zum Strand. Shoppen gehen ist auch immer eine gute Alternative. Mitte März hat man für eine Woche Spring Break Ferien. Hier kann man sehr gut verreisen. Ich war in meinem ersten Jahr zusammen mit einer Freundin in New York. Anschließend habe ich noch meine Freundin an ihrer Uni besucht. Dieses Jahr war ich mit Freunden in den Rocky Mountains Ski fahren. Das war echt ein Traum!

Jetzt gerade genieße ich noch die Zeit zuhause, bevor es Anfang August wieder zurück zu Uconn geht und die Preseason beginnt. Ich bin echt froh, dass ich vor 2 Jahren diesen Schritt gewagt habe und jetzt meinen „American Dream“ lebe