Bericht von Tobias G.

 

Zwölf Jahre Schule, Abitur und mindestens genauso viel Zeit, die ich auf dem Fußballfeld verbracht habe. Was jetzt? Was kommt nach dieser Zeit?
Mein Weg führte mich dank des Sport Scholarships Teams nach Daytona Beach, Florida an die Embry-Riddle Aeronautical University, wo ich seit mittlerweile fast anderthalb Semestern Business Administration studiere und jeden Tag aufs Neue genieße.
Mein Name ist Tobias Gerber, ich bin 19 Jahre alt und in den folgenden Zeilen versuche ich ein bisschen von dem, was ich dank Sport Scholarships Hilfe erlebe, in Worte zu fassen und anderen mein Leben hier nahe zu bringen.


Nachdem ich an einem Berliner Gymnasium mein Abitur erhalten habe stellte sich für mich die gleiche Frage, wie für tausende andere Mitabiturienten. Wie geht es weiter? WAS JETZT?

Ich war nie der abwarten-was-kommt-Typ und habe nach einem Plan und einer Möglichkeit gesucht mein Leben produktiv weiter zu führen. Diesen Weg habe ich gefunden und von da an mein Traum genannt – Traum und Albtraum in einem. Den `Alb`-Part definierte dabei  fuer mich weg von der Familie, weg aus meiner so sehr geliebten Heimat Berlin, weg von meinen Freunden, weg von meiner Freundin und weg von allem Gewohnten und lieb gewonnenen. Da war doch aber auch noch dieser andere Traum, dieser Traum Fußball Profi zu werden. Nicht umsonst habe ich mich damals Tag für Tag durch diesen 10-14 Stunden Alltag gequält (bis 2011 bei Hertha BSC Berlin). Also warum nicht die Möglichkeit nutzen und Fußball und meinen neuen Traum verbinden? Das ist es! Ich will nach Amerika! Der Entschluss war gefasst und die Koffer gepackt, zumindest in meinem Kopf. Doch wie ist die Realisierung möglich? Nach einigen Recherchen im Internet und Gesprächen mit verschiedenen Agenturen habe ich meinen Weg zu Sport Scholarships gefunden.
Die Zeit eilte. Sie wäre nach Shakespeare wohl „…aus den Fugen geraten“ und so musste ich innerhalb von 3 Monaten alles auf die Reihe bekommen. Mein Englisch war wirklich sehr mäßig und nach dem Erhalt meiner ersten SAT und Toefl Ergebnisse war dann die Marschrichtung vorgegeben. Englischkurs, SAT und Toefl bestehen und auf nach DAYTONA BEACH,FLORIDA!


Alles gemeistert, 100 Jahre Flug, viel Wasser unter mir und da war ich – angekommen in meinem neuen Leben. Mein Englisch war zu dieser Zeit freundlich ausgedrückt sehr durchschnittlich, was dank der freundlichen Aufnahme der Teammitglieder und der Coaches aber nicht zum Problem wurde und so machte ich auch in diesem Bereich schnell Fortschritte.

Wie ging es weiter? Was waren meine ersten Eindrücke von Amerika?


Wie bereits erwähnt wurde ich sehr herzlich von meinem neuen Umfeld aufgenommen. Meine Sprachprobleme habe ich anfangs mit einem freundlichen Lächeln und ausdruckslosem Nicken gut überspielen können. So ist das halt als „international student“ habe ich mir gedacht. Das wird sich schon schnell bessern. Nachdem die pre-season nach zirka einem Monat vorbei war fing die richtige Saison an. Endlich! Pre-season war für mich noch nie das Gelbe vom Ei, doch bei 35 Grad im Schatten war es nicht mal mehr das Eiweiß. Normal Fußball zu spielen und bei solchen Temperaturen Fußball zu spielen ist etwas anderes, woran sich der Körper erst mal ein bis zwei Wochen gewöhnen muss. Doch jetzt mal weg vom Fußball und hin zum Akademischen.
Probleme im Unterricht und meinen Lehrern zu folgen, die es verstanden nicht nur Wörter ohne –ion Endung zu benutzen, hatte ich nicht. Für mich persönlich sehr seltsam und verwunderlich doch heute verstehe ich warum (1.Semester nur A’s und ein B). Es ist ein Unterschied in einem ruhigen Raum zu sitzen und akademisch richtigem English zu lauschen oder zwischen 20 lauten Fußballern in der Kabine zu sitzen und mit etlichen Akzenten aus aller Welt konfrontiert zu sein. Mit so machen Akzenten und Slangs habe ich noch heute meine Probleme aber ich bin voller Zuversicht diese Probleme früher oder später auch noch ausmerzen zu können. In der Lage einen akademischen Essay zu schreiben bin ich mittlerweile zum Glück schon.

Wie war die erste Saison fußballerisch? Wie ist überhaupt das Niveau in Amerika?

Während meines Weihnachtsurlaubs in Berlin war das wohl die häufigste Frage neben den Fragen nach dem „Sozialleben“, wich man es in einem solchen Text politisch korrekt formuliert. Die Frage nach dem Sozialleben hab ich im alt erprobten und wunderbaren Berliner Jargon meist mit „Dikka ich hab doch immer noch meine Freundin in Berlin“ beantwortet, woraufhin dann häufig die Antwort folgte  „Ja, seh ich. Aber du lebst gerade den schlimmsten American Pie Film“.

Ich habe mich für eine Fernbeziehung entschieden und wisst ihr was? DAS IST MÖGLICH! Meine Freundin kommt mich im März besuchen und wir haben beschlossen den Kompromiss „erfolgreiche Zukunft“, wie ich ihn so gerne nenne, einzugehen. Doch zurück zum Sport.

Wie ist das fußballerische Niveau in Amerika?

Kurz: Es ist gut. Es ist sehr davon abhängig in welcher Liga man spielt aber grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es vor allem ein anderer Fußball als in Deutschland ist. Anders im Sinne von weniger taktisch und technisch aber auch nicht nur Hau-Ruck. Eine Mischung aus Beidem aber man sieht klar einen Unterscheid von der guten alten deutschen-Adidas-Copa-Mundial zur amerikanischen Usain-Bolt-Fußballschule. Ich habe damals in der A-Jugend Bundesliga gespielt und war doch sehr überrascht von der körperlichen Fitness vieler Spieler hier.
Persönlich verlief meine erste Saison eher mäßig, da ich ab der Hälfte mit einer ernsthaften Leistenverletzung gespielt habe, die heute noch nicht verheilt ist. Dennoch war ich unangefochtener Stammspieler und habe das Vertrauen meiner Trainer genossen, was ich in der schnelllebigen Fußballwelt im deutschen Leistungssports doch sehr vermisst habe. Wenn du dort verletzt bist, bist du raus. Dann hat der nächste seine Chance. Keine Hilfe – fußballerisch oder seelisch. Nur hohle Floskeln und leere Worte. Lediglich trocken und nur sehr selten menschlich war der Umgang mit meinen Trainern früher. Wo kein Vertrauen und Hilfe geboten wird, da fehlt es für mich an Menschlichkeit. Eigentlich kleine Menschen nutzen ihre ganze Autorität um zu herrschen. Das ist ihre Fußball Welt und sie haben hier das sagen! Sollen sie ruhig haben aber ich hatte genug davon.

Ich bin froh in Amerika mit dem totalen Gegenteil konfrontiert geworden zu sein und lernen durfte, dass Vertrauen und Menschlichkeit sehr wohl eine Rolle im Fußball spielen kann.


Der Gedankengang vieler Eltern, die diesen Text lesen wird jetzt folgender sein: Er ist in Amerika und spielt Fußball, mein Sohn will das gleiche machen. Oh Schreck, er hat sich verletzt. Was passiert wenn mein Sohn sich verletzt?

Das führt mich zur nächsten Frage für alle besorgten Eltern. Wie ist die medizinische Versorgung?
Meine medizinische Versorgung ist an meiner Universität sehr gut. Oft hat man die Möglichkeit über die Schule eine Insurance abzuschließen, was mir eine völlig kostenfreie und gute medizinische Behandlung verschafft hat. Meine Schule hat einen eigenen Arzt für alle Athlets, man hat aber auch jederzeit die Möglichkeit einen Arzt in einem umliegenden Krankenhaus zu besuchen. Ich wurde sogar nach Oralndo gefahren um einen Spezialisten bezüglich meiner Leiste zu sehen.
Kurz: man kümmert sich hier angemessen um Verletzungen.

 

Nochmal kurz ein paar Worte zum Akademischen

Ich absolviere hier einen Major in Business Administration, was gleichzusetzen ist mit einem Bachelor in BWL und mache zusätzlich noch einen Minor in Psychologie. Akademisch ist auch neben dem Fußball alles sehr gut auf die Reihe zu bekommen, solange man fleißig ist.
Amerika bietet nicht die Möglichkeit sich zurück zu lehnen und einen Sprachurlaub mit zusätzlichem Abschluss zu machen. Uni bleibt Uni. Es gibt Anwesenheitspflicht und an diese muss man sich auch halten. So sehe zumindest ich persönlich das Ganze.

 

Woraus setzt sich der Alltag zusammen?


Mein Alltag ist sehr von studieren geprägt. Morgens habe ich unter der Woche immer Training, dann meist Unterricht und nebenbei habe ich noch auf dem Campus einen kleinen Job am frontdesk des sports departments übernommen, wozu mir mein Co- Trainer verholfen hat. Das ist unter der Woche schon eine Menge zu tun, zumal man neben den Klassen auch noch so manche Hausarbeit machen muss.
Dennoch kann man es mit fleißiger Arbeit unter der Woche immer schaffen am Wochenende frei zu haben und das Leben hier und Amerika von all seine wunderbaren Seiten genießen. 

Ich hoffe, dass ich vielen Unentschlossenen mit meinen ersten Eindrücken ein Bild verschaffen konnte.
Ich habe es nie bereut nach Amerika gegangen zu sein. Opfer gehören dazu. Ich genieße jeden Tag aufs Neue. Ich liebe den Strand, ich liebe es die Sprache zu lernen, komischerweise liebe ich es auch hier so sehr produktiv zu sein.

An dieser Stelle möchte ich vielen Menschen danken, die mir hierzu verholfen haben.
Meiner Familie, die mich in der unmittelbaren Zeit vor dem Abenteuer Amerika so wie eigentlich schon mein Leben lang, so unglaublich in allem was ich mache unterstützt haben.
Meinen Freunden, zu denen ich noch heute gute Freundschaften pflege.
Meiner Freundin, mit der ich es jetzt fast ein Jahr geschafft habe eine Fernbeziehung zu führen (und das mit 19 - unfassbar!).
Meiner, wie ich sie nenne, American Mom Lana, die mir zum Bestehen des Toefels und SAT’s verholfen hat.

Und natürlich dem Sport Scholarships Team!

Amerika ist toll und ich wünsche jedem guten Menschen diese Erfahrung zu machen.

Liebe Grüße aus Florida,
Tobias Gerber

PS: Es ist gerade Januar und ich schreibe diesen Text oberkörperfrei am Strand sitzend.